Evelyn Zupke hat in letzter Zeit offenbar kaum einen Tag, an dem sie nicht über Demokratie sprechen muss – auch, wenn ihr der Ton der Debatte zuweilen aufstößt. In einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland spricht sie ganz offen über dieses merkwürdige Gefühl: Mehr als die Hälfte der Menschen in Ostdeutschland empfinden laut Umfragen, sie lebten gar nicht in einer richtigen Demokratie. Zupke macht daraus keinen Hehl: Sie sehe es als ihre Aufgabe, immer wieder deutlich zu machen, was die SED-Diktatur von einer Demokratie wie unserer heute unterscheidet. Auch oder gerade im Kontext der anstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, wo die AfD laut aktuellen Umfragen vorn liegt.
Was Zupke betont: Probleme gibt es zuhauf – aber mit einer Diktatur ist das nicht zu vergleichen. "Wir leben nicht in einer Diktatur, wir leben in einer Demokratie – auch wenn einiges schiefläuft und wir das diskutieren könnten und sollten." Der Gedanke daran, wie leicht sich extreme Einstellungen durch alle Lager – AfD, aber auch BSW oder Die Linke – schlängeln, stärkt bei ihr das Bedürfnis nach Aufklärung. Plakativ formuliert: Wer das eigene System permanent schlechtredet, macht es angreifbar. Kurzum, sie will Debatten führen, nicht nur um, sondern auch mit "den Leuten".
Die SED-Opferbeauftragte Evelyn Zupke rückt angesichts weit verbreiteter Unzufriedenheit in Ostdeutschland das Thema Demokratie in den Mittelpunkt. Sie sieht ihren Auftrag nicht nur darin, die Unterschiede zu diktatorischer Vergangenheit deutlich zu machen, sondern auch, gegen die Vereinnahmung des Demokratiebegriffs durch extremistische Parteien wie AfD, BSW oder Die Linke zu argumentieren. Angesichts der kommenden Landtagswahlen, in denen besonders die AfD mit hohen Umfragewerten auf sich aufmerksam macht, warnt Zupke davor, Demokratie als selbstverständlich zu betrachten – und plädiert für Dialog, Offenheit und kritische Auseinandersetzung.