Knaus führt die abnehmenden Asylantragszahlen zuallererst auf die politischen Veränderungen in Syrien zurück – insbesondere den Sturz von Baschar al-Assad Ende 2024. Damit habe das Hauptmotiv vieler syrischer Geflüchteter wegfallen können, auch für die EU insgesamt. In den Jahren davor waren Deutschland und Österreich nahezu allein auf weiter Flur, wenn es um den Schutz syrischer Kriegsvertriebener in der EU ging: Rund 80 Prozent der Syrer wurden hier aufgenommen. Nicht die Grenzmaßnahmen, sondern geopolitische Umwälzungen hätten den größten Einfluss. Knaus sieht darin eigentlich eine Chance für eine neue, vorausschauende Migrationspolitik – stattdessen betreibe die Bundesregierung eine, wie er meint, eher symbolische Grenzabschottung. Die Zurückweisung an den Binnengrenzen nach Österreich, Polen und in die Schweiz sei zudem ein fragwürdiges Mittel: juristisch umstritten und in ihrer Wirkung überschaubar, meint Knaus. Interessanterweise betont er, dass diese Praxis ursprünglich nur von der AfD gefordert wurde und jetzt breite politische Realität sei – das lässt tief blicken auf die aktuellen politischen Verschiebungen.
Die Kritik von Gerald Knaus richtet sich gegen eine Politik, die aus seiner Sicht vor allem auf Symbolik und kurzfristige Effekte setzt, anstatt nachhaltige Lösungen für Flucht und Migration in Europa zu fördern. Er unterstreicht, dass die entscheidenden Faktoren für weniger Asylanträge nicht in nationalstaatlichen Grenzmaßnahmen oder politischen Restriktionen liegen, sondern in den Ereignissen und Veränderungen im Herkunftsland – insbesondere im Fall Syrien nach dem Machtwechsel Ende 2024. Während einige Politiker die sinkenden Zahlen als Erfolg der nationalen Abschottung feiern, sieht Knaus darin vielmehr eine verpasste Gelegenheit, auf europäischer Ebene humane und zukunftsweisende Migrationspolitik zu gestalten.
Aktuell berichten mehrere große Medien über die Auswirkungen der europäischen Grenzpolitik und neue Entwicklungen im Asylsystem. Die Debatten orientieren sich stark an der Frage, wie humanitäre Verantwortung mit politischer Steuerung vereinbar sein kann – unter anderem werden neue Gesetzesinitiativen, Pushbacks und die langfristigen Folgen für Geflüchtete in der EU intensiv diskutiert.