Deutschland 2025: Immobilienpreise drehen wieder ins Plus – Ein Blick auf den Wohnatlas 2026

Bonn – Die Analyst:innen des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts nehmen die Preisentwicklung von Bestandswohnungen in ganz Deutschland genau unter die Lupe.

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Leichte Preissteigerung am deutschen Immobilienmarkt

Nach Jahren des Preisrückgangs steigen 2025 die inflationsbereinigten Preise für Eigentumswohnungen um durchschnittlich 0,6 Prozent. Dies ergab die neue Ausgabe des Postbank Wohnatlas – eine Studie, hinter der diesmal wieder das Team des HWWI steht. Zum Vergleich: Im Jahr davor gab es noch ein Minus von fast 3 Prozent, zwei Jahre vorher lag die Teuerung noch im zweistelligen Minusbereich. Faszinierend, wie schnell sich Stimmungen an so großen Märkten ändern können.

„Die Jahre der Korrektur scheinen auf dem Immobilienmarkt überwunden. Viele Käufer:innen akzeptieren die veränderten Bedingungen und das Angebot bleibt weiterhin knapp – vor allem da kaum gebaut wird“, meint Manuel Beermann von der Postbank. Diese Mischung aus neuer Normalität bei den Zinsen und mangelnder Bautätigkeit sorgt in weiten Teilen für einen kleinen Preisanstieg.

Mittelstädte auf der Überholspur

Am dynamischsten zeigen sich Städte mit bis zu 100.000 Einwohnern, dort legten die Preise real um 1,2 Prozent zu. Auch in den Großstädten (ab 100.000 Einwohner:innen) ist ein Zuwachs zu spüren – im Schnitt real 0,8 Prozent. Der Trend: Die sogenannten „Big 7“ Großstädte sehen nur minimale Anstiege, zum Teil sogar Preisrückgänge, etwa in Berlin und Stuttgart.

Extremes Beispiel: In Pirmasens klettern die Wohnungspreise rechnerisch um mehr als 11 Prozent – aber das Ausgangsniveau bleibt vergleichsweise niedrig. Potsdam hingegen schlägt alle Rekorde bei den Prozentzahlen: Fast ein Fünftel teurer werden Bestandswohnungen hier – und dennoch bleibt das Wohnen rund um Berlin oft günstiger als etwa in München. Und: Hochpreisige Städte wie München (rund 9.000 €/m²) verteidigen ihre Spitzenposition eisern.

Starke Varianz zwischen und innerhalb der Metropolen

In den sieben größten Metropolen Deutschlands entwickelt sich der Markt sehr unterschiedlich. Während Hamburg und München mit einem Mini-Plus glänzen, stagnieren oder verlieren Stuttgart und Berlin. Frankfurt bleibt beinahe unverändert – für Spekulanten irgendwie langweilig, für Familien wohl beruhigend.

Beachtlich: Regionen im Wandel

Blickt man auf die Bundesländer, findet man echte Überraschungen: Sachsen legt kräftig zu (+5 Prozent etwa) und auch Rheinland-Pfalz, Bremen, Brandenburg erleben kräftige Preiskorrekturen nach oben. Thüringen dagegen erlebt einen Einsturz, ebenso einige andere Bundesländer – ein Flickenteppich mit teils gegensätzlichen Trends. Ferienregionen, etwa an Nord- oder Ostsee, erleben teils scharfe Rückgänge, speziell auf beliebteren Urlaubsinseln. Kaum verwunderlich: Wo der Preis schon extrem hoch ist, wächst er nicht ewig weiter.

Die preislichen Extreme reichen von mehr als 9000 Euro in München bis unter 1000 Euro im Vogtlandkreis – ein Unterschied, der fast absurd wirkt.

Der Wohnatlas: Was steckt eigentlich dahinter?

Jährlich analysiert Postbank mit der HWWI-Berechnungen den deutschen Immobilienmarkt – bis ins kleinste Detail auf Kreisebene. Dies ermöglicht es Käufer:innen, Investoren und politischen Entscheider:innen gleichermaßen, Entwicklungen früh zu erkennen, und gibt Orientierung in einer Zeit, in der Bauen und Kaufen fast schon zum gesellschaftlichen Reizthema geworden sind.

Der Postbank Wohnatlas 2026 zeigt, dass die Preise für Eigentumswohnungen in vielen Teilen Deutschlands erstmals seit Jahren wieder leicht steigen. Besonders stark ist der Preisanstieg in den Mittelstädten, während die 'Big 7' Städte nur minimalen Zuwachs oder sogar Preisrückgänge sehen. Die Studie basiert auf der Analyse von über 400 Landkreisen und bestätigt die große regionale Spannbreite auf dem Immobilienmarkt. In den jüngsten Medienberichten ist zudem festzustellen, dass steigende Baukosten, teure Finanzierung und fehlende Neubauten den Trend hin zu bestehenden Immobilien verstärken. Politik und Verbände fordern gezielte Förderprogramme, weil der Mangel an Neubauten die angespannte Lage auf dem Markt weiter verschärft. Die Diskussion über die Auswirkungen auf Mieten und die Zukunft der Städte, insbesondere im Kontext von Zuwanderung und Klimastrategien, bleibt weiterhin hochaktuell.

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