„Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass Özdemir Palmer ins Kabinett holt“, meinte Dröge im Gespräch mit T-Online. Für sie ist klar: Ein Ministerteam lebt davon, dass es von den eigenen Leuten Rückendeckung bekommt – und darauf wird Özdemir achten. Außerdem geht Dröge fest davon aus, dass Özdemir keine bundespolitischen Ambitionen mehr hat, seit er Ministerpräsident in Baden-Württemberg ist. Sie findet das nachvollziehbar: „Wer hätte gedacht, dass eines Tages ein Grüner in Baden-Württemberg an der Spitze steht? Das ist kein Karrieresprungbrett, sondern eine riesige Aufgabe.“
Über die ständigen Debatten, wie die Grünen jetzt ticken sollen, ist Dröge sichtlich genervt. Sie sagt geradeheraus, sie habe „keinen Nerv auf ewige Flügelstreits“, hinter dem klassischen Lagerdenken steckt für sie wenig. Gemeinsam seien doch alle Grüne, unabhängig davon, wie sie Wahlkampf machen. Und: Politische Erfolge lassen sich nicht einfach nach Rezept wiederholen, „nur weil es in New York oder eben in Stuttgart ganz cool lief“. Ein bisschen Zufall, viel Einsatz und dann eben ein ganz eigenes Team – vielleicht macht das am Ende den Unterschied.
Die Diskussion um mögliche Mitgliedschaft von Boris Palmer in einem Kabinett Özdemirs bewegt weiterhin die Grünen – doch Dröge schließt diesen Schritt quasi aus. Nach Özdemirs Machtübernahme in Baden-Württemberg scheint die Partei auf Geschlossenheit zu setzen, Flügelkämpfe will niemand mehr öffentlich ausfechten. Interessant ist: In den deutschen Medien wird aktuell vor allem das Selbstverständnis der Grünen debattiert, wobei der Blick zunehmend auf den Erfolg einzelner Persönlichkeiten wie Özdemir oder Palmer fällt. Neuere Berichte betonen, dass Palmer weiterhin kritisch – teils sogar isoliert – innerhalb und außerhalb der Partei betrachtet wird; Özdemirs Regierungsstil könnte einen Modernisierungsschub für die grün-geführte Landespolitik bedeuten, was bundesweit genau beobachtet wird.