„Nukleardiplomatie ist kein Immobilienhandel.“ Dieser Satz von Hans-Dieter Lucas, den er jüngst in einem Interview mit der 'Zeit' fallen ließ, hallt nach. Lucas, noch bis vor Kurzem zentraler deutscher Diplomat, beobachtet mit Skepsis, wie die USA derzeit ihre Gespräche mit dem Iran führen. Früher, erinnert er sich, seien die amerikanischen Unterhändler tief im Thema gewesen – Nuklearexperten vom Fach. Heute erscheinen Figuren wie JD Vance, Steve Witkoff oder Jared Kushner im Rampenlicht – ohne das technische Rüstzeug, wie Lucas durchblicken lässt. Ein ziemliches Hin und Her, und Expertise? Fehlanzeige. Der Ex-Botschafter zeigt sich besorgt, dass diesem Kompetenzmangel Nachteile entspringen könnten. Die iranische Delegation, meint Lucas, zählt weltweit zu den härtesten Kalibern am Verhandlungstisch: gerissen, klug, mit beeindruckender Erfahrung. Er verweist etwa auf den jetzigen Außenminister Araghtschi, der schon 2015 zu den Strippenziehern gehörte. Sein – etwas ernüchterndes – Fazit: Die Amerikaner sollten sich besser auf einiges gefasst machen, denn die Iraner wissen genau, was sie tun. Vielleicht wäre ein bisschen mehr Fachwissen auf Seiten der US-Unterhändler nicht verkehrt. Das Atomabkommen von 2015 sollte, das nur am Rande, eigentlich Teheran davon abhalten, Uran militärisch nutzbar anzureichern – bis Donald Trump das Ganze einseitig aufkündigte. Dass dieses politische Zerren und Ziehen sich jetzt wiederholt, ist vielleicht Symptom größerer Verstimmungen zwischen Ost und West.
Hans-Dieter Lucas verdeutlicht seine Sorge darüber, dass in den US-Verhandlungsteams bezüglich des Iran kaum noch Nuklearexpertise zu finden ist; stattdessen seien politisch motivierte Akteure im Einsatz. Dies birgt laut Lucas die Gefahr, von der hochgradig kompetenten iranischen Seite bei den Gesprächen benachteiligt zu werden. Die Rolle fachlicher Expertise stellt er ins Zentrum und weist auf das Risiko hin, dass unzureichend informiertes Verhandeln zu nachteiligen Kompromissen für den Westen führen könnte. Zuletzt gab es auch internationale Berichte, dass die jüngsten Versuche zur Wiederbelebung des Atomdeals von wechselseitigem Misstrauen, interner Zersplitterung sowie diplomatischen Alleingängen geprägt sind, was die Chance auf Fortschritt zusätzlich mindert.