EKD-Chefin appelliert an mehr Zusammenhalt mit Juden

Mit Blick auf die neuen, alarmierenden Zahlen antisemitischer Vorfälle in Deutschland, die der Bundesverband RIAS am Mittwoch veröffentlichte, mahnt die Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, zu klarer Solidarität mit Jüdinnen und Juden hierzulande. "Antisemitismus gehört für Juden in diesem Land nach wie vor – und traurigerweise immer häufiger – zum Alltag", sagte Fehrs zum Tagesspiegel.

heute 10:02 Uhr | 4 mal gelesen

Die jüngsten Statistiken zu antisemitischen Vorfällen sprechen eine deutliche, ja fast schon grelle Sprache. Das Bedrohungsgefühl, unter dem viele jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger hierzulande leben müssen, ist nicht nur eine abstrakte Größe, sondern Alltag – oftmals sogar schon Routine. "Wir als Kirche positionieren uns entschieden, gemeinsam und lautstark für eine offene, sichere Existenz jüdischer Menschen in Deutschland," so EKD-Ratsvorsitzende Fehrs. Das bedeutet: Keine Kompromisse beim Einsatz gegen Antisemitismus, keine Relativierung, kein Wegducken. Die Sicherheit und Sichtbarkeit jüdischen Lebens hier ist für sie nicht bloß ein gesellschaftliches Thema, sondern Herzstück unserer Demokratie – und, das betonte sie, eine zutiefst christliche Aufgabe. In ihrer Botschaft wurde ein Appell an alle Christinnen und Christen im Land laut: "Zeigt Solidarität – und zwar sichtbar!" Die feinsinnige Dramatik hinter diesen Worten hat mich nachdenklich gemacht. Wann habe ich zum letzten Mal selbst ein Zeichen gesetzt? Es bleibt zu hoffen, dass diese Worte nicht verhallen.

Die EKD-Vorsitzende pocht angesichts neuer RIAS-Zahlen auf einen Schulterschluss gegen Antisemitismus. Die stete Bedrohung jüdischen Lebens in Deutschland müsse, so Fehrs, als Angriff auf demokratische Werte und als Prüfstein christlicher Verantwortung verstanden werden. Sie fordert: Mehr Sichtbarkeit und Unterstützung für jüdische Menschen, weil Antisemitismus niemals als "gegeben" hingenommen werden darf. Neuere Entwicklungen zeigen, dass antisemitische Übergriffe seit den Angriffen der Hamas auf Israel im Oktober 2023 weiter zugenommen haben; deutsche Behörden melden einen sprunghaften Anstieg an Vorfällen, was zu breiten politischen und gesellschaftlichen Initiativen geführt hat. In großen Städten wie Berlin und München gab es jüngst sichtbare Solidaritätsbekundungen, aber auch vermehrte Polizeipräsenz vor jüdischen Einrichtungen. Zudem betonen Politik und Zivilgesellschaft, dass Prävention, Aufklärung und konsequente Strafverfolgung an Bedeutung gewinnen – unterstützt etwa durch neue Bildungsprogramme sowie stärkere Vernetzung jüdischer Gemeinden mit der Mehrheitsgesellschaft.

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