Die Wissenschaftler:innen Prof. Dr. Tim Rohrmann und Dr. Nadine Gaus nehmen sich in ihrer aktuellen Publikation die Frage vor, wie verschiedenste pädagogische Alltagspraxis bereits heute – teils unbewusst – Begabungen junger Kinder auffängt und fördert. "Oft machen Kita-Fachkräfte mehr für begabte Kinder, als ihnen selbst klar ist", erklärt Lisa Mol von der Karg-Stiftung. Die neue Expertise ist ein Werkzeugkasten: Sie liefert Sprache, Beispiele und Impulse, damit Teams bewusster Potenziale erkennen und entfalten helfen.
Ob Montessori, situationsorientierter Ansatz oder Early Excellence – viele Konzepte tragen schon heute einen begabungsfördernden Kern: Das bestätigt eine Analyse theoretischer Hintergründe genauso wie Interviews mit Kita-Profis. Allerdings fehlt manchmal der gezielte Blick oder die fachliche Begriffsicherheit, das auch so zu benennen und gezielt auszubauen.
Hier setzt die Karg-Stiftung an: Sie vermittelt die wissenschaftlichen Grundlagen rund um Talententwicklung, gibt konkrete Tipps für den Alltag und will eine offene Haltung in Kitas stärken. Denn schon früh entscheidet sich, wie Kinder lernen, Vertrauen zu ihren eigenen Fähigkeiten entwickeln und eigenständige Bildungswege beschreiten dürfen. Die Expertise richtet sich an diejenigen, die in Kitas gestalten, entscheiden und begleiten – von Erzieher:innen über Leitungen bis hin zu Trägereinrichtungen und Fortbildenden.
Spätestens bei der Frage, wie "die eigene Haltung zur Förderung von Begabten" praktisch wird, bringt der Leitfaden überraschend viele Ideen. Individuelle Potenziale wahrzunehmen und günstige Lernumgebungen anzubieten ist dabei nicht Exklusivförderung für „die Hochbegabten“, sondern bringt letztlich allen Kindern in der Einrichtung Vorteile.
Kurzfakten: Die Publikation "Begabte Kinder in der Kita begleiten – Pädagogische Ansätze und Konzepte für die Begabungsförderung nutzbar machen" kommt aus der Feder von Prof. Dr. Tim Rohrmann und Dr. Nadine Gaus, umfasst satte 114 Seiten, wurde von der Karg-Stiftung im Mai 2026 erstveröffentlicht und steht frei zum Download bereit (Link siehe unten).
Die neue Open-Access-Expertise der Karg-Stiftung untersucht, wie begabungsförderliche Elemente bereits fest in pädagogischen Konzepten zahlreicher Kitas, etwa Montessori oder Early Excellence, verankert sind – auch wenn diese im Alltag oft nicht explizit als solche wahrgenommen werden. Sie setzt sich für eine bewusste, individuelle Förderung von Talenten ein, macht Fachkräften Mut, neue Begriffe, Methoden und Reflexionen in die eigene Arbeit einzubinden und versteht Begabungsförderung als Grundhaltung, nicht als Zusatzaufgabe. Außerdem unterstreicht der Leitfaden, dass gelungene Begabungsförderung immer auch einen Beitrag zu mehr Chancengerechtigkeit und Bildungsvielfalt leistet.
Aktuelle Recherchen zeigen: Gerade heute wird in der Debatte um frühkindliche Bildung und Inklusion immer wieder darauf verwiesen, wie bedeutsam Angebote zur Förderung individueller Stärken – und eben nicht nur zur Beseitigung von Defiziten – sind. Insbesondere die Karg-Stiftung hebt die zentrale Rolle der Fachkräfte hervor und sieht in einer potenzialorientierten Pädagogik einen Weg, die Bildungsmöglichkeiten aller Kinder mitzuentfalten. Darüber hinaus zeigen neue Studien, dass bereits kleine Anpassungen im Kita-Alltag, wie gezieltes Beobachten oder individualisierte Projektarbeit, die Entwicklung begabter Kinder fördern können. Auch wurden in den letzten Tagen zahlreiche Diskussionsbeiträge zur Verbesserung der Rahmenbedingungen und Qualifizierung von Erzieher:innen veröffentlicht.