Es gibt Umfragen, die liest man und denkt: Klar, das habe ich erwartet. Diese hier ist anders. Über 1.000 Führungskräfte aus 18 Ländern und unterschiedlichsten Branchen wurden befragt, und plötzlich tauchen Widersprüche und neue Prioritäten wie aus dem Nichts auf. Einerseits strotzen 92 Prozent der Befragten noch immer vor Optimismus, was künftiges Wachstum angeht – das überrascht angesichts steigender Energiepreise, labiler Lieferketten und weltpolitischer Unsicherheit schon ein bisschen. Andererseits bröckelt genau dadurch ihr Vertrauen in die eigene Kontrolle über das Umfeld: Das niedrigste Level seit der Pandemie, so niedriger als ein schlecht isoliertes Kellerfenster.
Interessant ist, womit sich die Vorstände jetzt herumschlagen. Wirtschaftliche Einflüsse – Inflation klopft wieder penetrant an die Tür, Energiepreise erreichen neue Höhen, und KI verliert ein wenig Glanz als Hoffnungsträger. Die Tatsache, dass KI aktuell „nur“ noch für 37 Prozent als Top-Trend gilt (nach 40 Prozent im Vorjahr), lässt tief blicken. Eines fehlt in diesen Zahlen nicht: der Wunsch, die Karten neu zu mischen. Betriebe verschieben Investitionen weg von hippen Trendthemen wie Talentförderung hin zu handfesteren Baustellen – Supply Chain Management gewinnt an Priorität wie ein heißersehnter Kuchenstück auf einer Büroparty.
Der Blick geht Richtung China, Lateinamerika und den asiatisch-pazifischen Raum: nicht mehr Europa oder Nordamerika, sondern neue Wachstumsregionen rücken in den Fokus. KI ist dabei nicht mehr nur Absicht, sondern erzielt zunehmend messbare Effekte: Über 60 Prozent der Vorreiterfirmen berichten bereits von handfesten Renditen, wobei ein Fünftel sogar mehr als 20 Prozent rausholt. Gleichzeitig ist Diversifizierung keine Sonntagspredigt mehr: Über die Hälfte hat zuletzt Strukturen und Ressourcen neu verteilt, um nicht vom Weltgeschehen auf dem falschen Fuß erwischt zu werden.
Peter Wundsam, Österreich-Chef bei Forvis Mazars, bringt es salopp auf den Punkt: „Die Frage nach Diversifizierung stellt sich nicht mehr, sondern nur noch das Wie.“ Komplexität steigt – und das macht es so spannend, aber auch so anstrengend. Die Mischung aus strategischer Klarheit und notwendiger Flexibilität ist eben kein simpler Spagat. Wer heute noch auf nur ein Pferd setzt, landet schnell auf dem falschen Feld.
Abschließend: Wachstum ist zwar möglich, aber, naja, anspruchsvoller. Flexibilität und Diversifizierung sind die Schlagworte der Stunde, und niemand kann genau sagen, wie es in ein paar Monaten aussieht. Aber genau das macht die Wirtschaft eben manchmal aufregend – oder beängstigend, kommt auf die Tagesform an.
Die Mid-Year Insights 2026 von Forvis Mazars liefern einen ungewöhnlich persönlichen Einblick, wie Führungskräfte weltweit auf eine immer unübersichtlichere Lage reagieren. Zwar bleibt die Wachstumsstimmung stark, aber das Misstrauen gegenüber äußeren Einflüssen wächst, getrieben von Energiekrisen, Lieferkettenrisiken und geopolitischem Flächenbrand. KI wird messbarer, aber auch nüchterner betrachtet: Sie bringt Profit – aber längst nicht mehr als Allheilmittel. Im Fokus stehen nun vor allem pragmatische Ansätze wie Anpassung der Lieferketten, Diversifizierung der Märkte und eine sensible Umverteilung von Kapitaleinsatz und Ressourcen. Die Studie illustriert anschaulich, wie Unternehmen versuchen, auf Sand gebaute Sicherheiten in stabile Brücken ins Morgen zu verwandeln, unterstützt durch eine Mischung aus Daten, Bauchgefühl und einer Prise Skepsis.
**Weitere recherchierte Details:**
Nach eigenen Untersuchungen hat Forvis Mazars in diesem Jahr besonders beobachtet, dass Unternehmen Investition und Ressourcen innerhalb weniger Monate teils radikal umstrukturieren. Laut aktuellen Medienberichten etwa in der FAZ und der Süddeutschen wachsen auch in anderen Branchen Unsicherheiten, viele Konzerne wenden sich verstärkt neuen Märkten in Asien und Lateinamerika zu – nicht nur aus Expansionslust, sondern aus einer Mischung aus Notwendigkeit und Risikostreuung. Parallel dazu ist der Fachkräftemangel weiterhin ein Dauerbrenner, der Innovationsdruck in Bezug auf KI und Digitalisierung reißt nicht ab und energiepolitische Themen bestimmen verstärkt die mittel- bis langfristige Strategieplanung.