Manchmal erstaunt es mich, wie ruhig solche technologische Umbrüche in den Medien behandelt werden: Da tut sich tatsächlich Entscheidendes hinter den Kulissen der europäischen Technologielandschaft. Konkret: Die Kombination aus Ericssons jahrzehntelanger Netzwerkerfahrung und Jülichs Supercomputing-Know-how. Mitten im Fokus steht hierbei der Supercomputer JUPITER – momentan Europas leistungsstärkster Rechner, der fast schon ehrfürchtig die Messlatte setzt.
Beide Partner denken größer als bloße Leistungsverbesserungen; sie loten aus, wie das Zusammenspiel aus High-Performance Computing und künstlicher Intelligenz selbst das zukünftige Netz-Management, das Kernnetz und das sogenannte Funkzugangsnetz (RAN) verändern wird. Besonders spannend: Sie nehmen sich das menschliche Gehirn zum Vorbild (Stichwort: Neuromorphes Computing). Klingt nach Science-Fiction, ist aber anscheinend der Weg, um 6G wahrhaft „intelligent“ zu machen und dabei auch noch Strom zu sparen. Und ehrlich: Gerade das fühlt sich angesichts steigender Energiekosten und Klimakrisen unangenehm relevant an.
Die Partnerschaft greift dabei weit über reine Technik hinaus. So verspricht man sich, mit den neuen KI-Modellen nicht nur die Telekommunikationsinfrastruktur robuster und souveräner – also europäischer! – zu gestalten, sondern auch ein Stück digitalen Fortschritt für die Umwelt. Die ersten 6G-Dienste erwartet man circa 2030. Und selbst wenn das noch wie Zukunftsmusik klingt, ist es genau jetzt an der Zeit, Grundlagen zu legen. Wie sagte es Prof. Laurens Kuipers: Nur durch die Verbindung von angewandter Spitzenforschung, leistungsstarker Datenverarbeitung und cleveren Software-Architekturen kann Europa beim nächsten Technologiewettlauf vorne mitspielen.
Ericsson und das Forschungszentrum Jülich bündeln in ihrer Partnerschaft Kompetenzen aus Telekommunikation und Hochleistungsrechnen, um Grundsteine für die nächste Mobilfunkgeneration 6G zu legen. Im Kern der Zusammenarbeit steht der Einsatz von KI und neuromorphen Rechenmethoden, welche sich an der Funktionsweise des menschlichen Gehirns orientieren. Ziel ist ausdrücklich auch die Entwicklung von energieeffizienten Netzwerken – ein aktuelles Thema angesichts der massiven Energiekosten von Rechenzentren und der wachsenden Datenflut weltweit.
Im Zuge ihrer Kooperation sollen nicht nur bestehende 5G-Strukturen verfeinert, sondern grundlegend neue Lösungswege für Netzwerkintelligenz, Core-Architekturen und das Funkzugangsnetz getestet werden. Interessant ist hier die Vernetzung mit der europaweiten EuroHPC-Initiative und die Nutzung gemeinsamer Cloud-Infrastrukturen, etwa auf Basis von JUPITER, sowie die Einbeziehung von Erfahrungswerten anderer Supercomputer-Zentren. Laut aktuellen Berichten zur Entwicklung von 6G konzentriert sich die Forschung weltweit auf die Reduktion von Latenzen, automatische Fehlererkennung und Ressourceneinsparung, wofür gerade KI-basierte Ansätze unverzichtbar erscheinen. Auch Samsung, Nokia und chinesische Konzerne investieren massiv in diese Richtung, wobei Europa dank Kooperationen wie der zwischen Jülich und Ericsson seine Unabhängigkeit und Innovationsstärke ausbauen will.