EU will eigene Cloud- und KI-Anbieter stärken

Mit neuen Regeln plant die EU, sich weniger von US-Technologie abhängig zu machen und bei staatlichen Digitalprojekten vorrangig europäische Cloud- und KI-Dienstleister einzusetzen.

heute 16:59 Uhr | 3 mal gelesen

Ein interner Entwurf des "Cloud and AI Development Act", über den das "Handelsblatt" am Freitag berichtete, zeigt, wohin die Reise geht: Brisante Daten – beispielsweise aus dem Gesundheitswesen oder der Verteidigung – sollen künftig ausschließlich auf 'souveränen' Cloud-Plattformen gespeichert werden, die keinen Zugriff von außen zulassen, nicht einmal im Falle internationaler Streitigkeiten oder politischer Sanktionen. Das Ziel: Mehr Kontrolle über sensible Informationen innerhalb Europas. Parallel dazu möchte die EU-Kommission in die europäische Halbleiterproduktion investieren. Ein kompletter Ausschluss amerikanischer Konzerne wie Microsoft, Amazon oder Google steht nicht im Raum, zu groß ist aktuell ihre Dominanz. Dennoch soll schrittweise die Unabhängigkeit wachsen. Interessant: Die EU will hierfür ein Vier-Stufen-Modell für Cloud-Souveränität entwickeln. Entscheidend werden Faktoren wie Kontrolle über Infrastruktur, Lieferketten, IT-Sicherheit oder Datenverarbeitung sein. Die Mitgliedstaaten sollen eigene Risikoanalysen erstellen und genau abwägen, für welche Anwendungen welches Schutzlevel nötig ist. Dazu liefert die Kommission bald offizielle Empfehlungen. Die genauen Details sind noch im Fluss und dürften sich bis zur Vorstellung der Pläne kommende Woche noch verschieben.

Die Europäische Kommission möchte mit dem geplanten 'Cloud and AI Development Act' die Kontrolle über sensible digitale Infrastrukturen stärken, indem sie europäische Anbieter für öffentliche Aufträge bevorzugt. Hintergrund ist die Sorge über Zugriffe externer – insbesondere US-amerikanischer – Akteure auf kritische Daten. Gleichzeitig bleiben amerikanische Tech-Riesen vorerst notwendig, da sie die größten Kapazitäten bieten, doch mittelfristig soll die technologische Souveränität Europas wachsen. Seit Kurzem sorgt zudem ein Vorgehen gegen chinesische Cloud-Anbieter für Aufsehen, da Sicherheitsbedenken bestehen. Mehrere EU-Staaten fürchten durch Entscheidungstransparenz und einheitliche Richtlinien eine bessere Handhabbarkeit des derzeit zersplitterten Datenschutzes. Neuere Entwicklungen im Bereich des AI Act und Digital Services Act könnten die Anforderungen zusätzlich verschärfen.

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