Wolkenhauer wirkt alarmiert: "Eine Verfassungsklage dauert erfahrungsgemäß verdammt lange, mindestens zwei Jahre, eher drei." Bis dahin, so rechnet er nüchtern vor, wäre seine Kirche längst pleite. Ihr Jahreshaushalt liegt bei etwa 20 Millionen Euro—rund die Hälfte davon stammt aus Staatsleistungen und Kirchensteuern. Fielen die Gelder weg, wären Schulen, Kitas, Seelsorgeangebote, Tafeln und die Seniorenhilfe akut bedroht. Nicht nur der religiöse Alltag, sondern auch das konkrete soziale Netz, das die Kirche knüpft, würde zerreißen—und zwar ziemlich unmittelbar. "Ich nehme das sehr ernst", betont Wolkenhauer nochmal, und seine Stimme klingt dabei nicht so, als wäre es nur ein politischer Appell.
Ähnliche Alarmbereitschaft herrscht bei den Katholiken. Bischof Gerhard Feige für das Bistum Magdeburg beschreibt die Lage als "dramatisch"—auch ihm wäre nach eigenen Aussagen das Wasser sehr schnell bis zum Hals gestiegen, wenn die Geldflüsse versiegen. Mit Verweis auf internationale Entwicklungen meint Feige: "Trump macht es gerade vor, wie sich Recht brechen lässt." Selbst wenn nach mehreren Jahren vor Gericht ein Urteil käme, das Gelder nachgezahlt werden müssten—der Schaden wäre bereits angerichtet.
Die Problematik endet nicht an der Landesgrenze. Sollte ein ähnliches Szenario in anderen ostdeutschen Ländern eintreten, könnten mehrere Landeskirchen vor der Zahlungsunfähigkeit stehen, was selbst die EKD nicht aufgefangen bekäme. Das Notfall-System, das im Vordergrund steht, ist laut Feige eigentlich nur für Härtefälle gedacht, und nicht für ein ganzes Bundesland. Im Hintergrund steht die Sorge, die AfD wolle mit Kalkül die Kirchenlandschaft ausdünnen oder gar eliminieren—eine Perspektive, vor der viele bislang die Augen verschlossen haben.
Die EKD äußert sich zurückhaltend, betont aber die gesamtgesellschaftliche Bedeutung. Mehr als jeder zweite Kindergarten hänge direkt oder indirekt an kirchlichen Trägern. Eine Finanzkrise der Kirchen würde schnell auch diejenigen treffen, die mit Religion sonst wenig am Hut haben.
Die Kirchen in Sachsen-Anhalt stehen vor einer existenziellen Bedrohung, falls die AfD nach der Landtagswahl tatsächlich die Regierung bildet und Staatsleistungen sowie Kirchensteuerzahlungen einstellt. Experten wie Karsten Wolkenhauer und Bischof Gerhard Feige betonen, dass ein Ausbleiben der Unterstützungen binnen kürzester Zeit zu Zahlungsunfähigkeit führen, soziale Angebote und Bildungs-, Pflege- sowie Hilfseinrichtungen lahmlegen und auch deutschlandweit Kirchen in finanzielle Schwierigkeiten treiben könnte.
Weitere Recherche verdeutlicht: Laut aktuellen Berichten haben sich Vertreter weiterer Religionsgemeinschaften und Sozialverbände ebenfalls öffentlich besorgt gezeigt, dass kirchliche Leistungen wie Nachbarschaftshilfen, Essensausgaben oder Kitas in Sachsen-Anhalt unaufhaltsam verschwinden könnten, wenn die AfD-Programmatik umgesetzt würde. Der Deutsche Caritasverband und Diakonie Deutschland warnen davor, dass ein solches Vorgehen Sprengkraft für das soziale Miteinander in vielen Regionen hätte und viele Menschen, besonders Ältere und Kinder, unmittelbar zum Verlierer machen würde. Politisch wird derzeit diskutiert, ob neue Koalitionen auf Länderebene einen Schutzmechanismus für die Kirchen sichern könnten; einige Kommunen denken bereits an Notfallpläne, um Versorgungslücken zu schließen. Darüber hinaus mehren sich Stimmen, die eine bundesweite Debatte über die Zukunft der Staatsleistungen anstreben, da die Bindung zwischen Kirche, Staat und Gesellschaft vielerorts brüchiger wird und rechtliche sowie finanzielle Sicherheiten zunehmend in Frage gestellt werden. In den vergangenen Tagen wurde zudem berichtet, dass auch die große Mehrheit der Bevölkerung kritischer auf die enge Verzahnung von Staat und Kirche blickt, während linke und liberale Gruppierungen einen generellen Dialog über neue Leitbilder fordern.