Freihandelsabkommen: EU und Indien beenden ihre Verhandlungsrunde

Nach langwierigen Gesprächen steht der Rahmen für das größte jemals ausgehandelte Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Indien. Beide Partner wollen ihre wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit ausbauen, wie es seitens der EU am Dienstag hieß.

heute 08:13 Uhr | 1 mal gelesen

Die Europäische Kommission schätzt, dass sich die Ausfuhren aus der EU nach Indien bis 2032 verdoppeln könnten. Das liegt unter anderem daran, dass auf satte 96,6 Prozent der Waren, die von der EU nach Indien gelangen, künftig nur noch geringe oder gar keine Zölle mehr erhoben werden – ein erheblicher Vorteil für europäische Unternehmen. Schon heute kommt der Handel zwischen den beiden Regionen auf über 180 Milliarden Euro pro Jahr und stützt fast 800.000 Jobs innerhalb der EU. Laut Brüssel sparen allein die europäischen Firmen durch das neue Abkommen jedes Jahr um die vier Milliarden Euro an Zöllen – das ist ein ordentlicher Batzen Geld. Besonders florieren dürften Branchen wie die Lebensmittel- und Agrarindustrie, weil Indien Zollvergünstigungen gewährt, die es sonst keinem anderen Partner einräumt. Außer den wirtschaftlichen Aspekten umfasst das Abkommen auch Verpflichtungen zur Nachhaltigkeit: Umweltschutz, Arbeitnehmerrechte und Klima finden erstmals ausführlich Platz. In einem speziellen Kapitel und mithilfe eines geplanten Klima-Kooperationsmemorandums wollen beide Seiten künftig gemeinsam handeln. Ob das in der Praxis alles so glatt läuft, wird natürlich erst die Zukunft zeigen – ein bisschen Skepsis bleibt immer, besonders bei so großen Versprechen.

Das neue Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien, das nach jahrelangen und von gegenseitigen politischen Zugeständnissen geprägten Verhandlungen abgeschlossen wurde, markiert einen Meilenstein mit globaler Signalwirkung. Die EU setzt damit ein klares Zeichen, sich wirtschaftlich stärker mit dem aufstrebenden indischen Markt zu verzahnen und die geopolitische Partnerschaft tiefer zu verankern – auch vor dem Hintergrund der wachsenden Rivalität zwischen China und den westlichen Staaten. Neben den beträchtlichen wirtschaftlichen Zugewinnen wie dem Abbau von Markteintrittsbarrieren und der erwähnten Einsparung von Zöllen, beinhaltet das Abkommen zum ersten Mal bindende Standards in den Bereichen Arbeitsrechte, Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung, die in Asien bisher kaum üblich sind. Die Diskussionen in europäischen Medien weisen jedoch auch auf Herausforderungen hin, beispielsweise auf Indiens widerwillige Haltung bei Patentschutzregeln, Datenschutz und der Liberalisierung sensibler Dienstleistungsmärkte – Punkte, die einer schnellen Umsetzung des Deals Steine in den Weg legen könnten. Trotz gegenteiliger Behauptungen bleibt die tatsächliche Wirksamkeit der Nachhaltigkeits-Kapitel unter genauer Beobachtung, da Indiens Industrie für umweltrelevante Auflagen bisher als wenig empfänglich gilt.

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