Das neue Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien, das nach jahrelangen und von gegenseitigen politischen Zugeständnissen geprägten Verhandlungen abgeschlossen wurde, markiert einen Meilenstein mit globaler Signalwirkung. Die EU setzt damit ein klares Zeichen, sich wirtschaftlich stärker mit dem aufstrebenden indischen Markt zu verzahnen und die geopolitische Partnerschaft tiefer zu verankern – auch vor dem Hintergrund der wachsenden Rivalität zwischen China und den westlichen Staaten. Neben den beträchtlichen wirtschaftlichen Zugewinnen wie dem Abbau von Markteintrittsbarrieren und der erwähnten Einsparung von Zöllen, beinhaltet das Abkommen zum ersten Mal bindende Standards in den Bereichen Arbeitsrechte, Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung, die in Asien bisher kaum üblich sind. Die Diskussionen in europäischen Medien weisen jedoch auch auf Herausforderungen hin, beispielsweise auf Indiens widerwillige Haltung bei Patentschutzregeln, Datenschutz und der Liberalisierung sensibler Dienstleistungsmärkte – Punkte, die einer schnellen Umsetzung des Deals Steine in den Weg legen könnten. Trotz gegenteiliger Behauptungen bleibt die tatsächliche Wirksamkeit der Nachhaltigkeits-Kapitel unter genauer Beobachtung, da Indiens Industrie für umweltrelevante Auflagen bisher als wenig empfänglich gilt.