Gefährliche Grenzgänge: Wenn Coaching zur Manipulationsfalle wird – neue ARD Doku ab 22. Juni

München – Wer wünscht sich nicht ein mutigeres Selbst, mehr Geld oder Heilung für seelische Narben? Der Lifecoach Markus Streinz verspricht genau das – und zieht Menschen wie Eva und Manuel in seine Kreise. Die ARD-Doku "Manipulation: Wenn Coaching zur Gefahr wird" blickt ab 22. Juni 2026 in der ARD Mediathek tief in die Mechaniken dubioser Coaching-Gruppen – und hinterfragt das System dahinter.

heute 12:58 Uhr | 4 mal gelesen

Ein Leben ohne innere Barrieren, erfolgreicher, irgendwie echter: Das ist die Ware, die Markus Streinz verkauft. Für Menschen wie Eva und Manuel wirkt das zunächst wie die langersehnte Rettung – in der 'Liberator Academy' wird ihnen Zugehörigkeit vermittelt, endlich Verständnis, so scheint's. Aber was von außen wie ein harmloser Selbstentwicklungszirkel wirkt, entpuppt sich schrittweise als geschlossenes System, in dem Kritik, Zweifel und unabhängiges Denken nach und nach eliminiert werden. Mechanismen wie Love Bombing oder Gaslighting verschieben nach und nach die Grenzen der Wahrnehmung, bis Abhängigkeit fest verankert ist. Beziehungen zerbrechen, soziale Bindungen werden schwächer, Isolation wächst – auch, weil Kritik zur persönlichen Schwäche umgedeutet wird. Eine Mutter, deren Kind immer weiter in diesen Sog gerät, bleibt anonym und berichtet von ihrer Verzweiflung: der Furcht, das eigene Kind an die Gruppendynamik zu verlieren. Sprachlosigkeit, Unsicherheit, Albtraumgefühl – wie eingefroren erlebt sie den Wandel, während Streinz die Schwelle zur Gewalttätigkeit überschreitet. Unter dem Vorwand von "Heilung" oder "Ritual" werden in der Gruppe sogar gezielt aggressive und teils handgreifliche Methoden eingesetzt – besonders gegenüber Frauen. Es kostet Eva und Manuel immense Kraft, sich zu befreien; sie verlassen die Gruppe emotional, finanziell und sozial angeschlagen. Erst nach ihrem Ausstieg wird ihnen klar, wie vollständig sie manipuliert wurden. Die Doku mischt Betroffenenstimmen mit Analysen von Expertinnen wie Kriminalpsychologin Lydia Benecke oder Sektenberaterin Bianca Liebrand – und macht deutlich: Der Grat zwischen Selbsthilfewunsch und toxischer Abhängigkeit ist schmal. Für die Presse kann "Manipulation: Wenn Coaching zur Gefahr wird" bereits jetzt im Vorführraum des BR angeschaut werden, öffentlich ab 22. Juni via ARD Mediathek. Mehr Infos zu Produzententeam, Kontakt und Bildmaterial finden sich online.

Die ARD-Wissensdokumentation legt die Strukturen und Gefahren fragwürdiger Coaching-Systeme schonungslos offen. Durch persönliche Berichte ehemaliger Mitglieder und Einschätzungen von Fachleuten wird sichtbar, wie schnell Angebote der Selbstoptimierung in Kontrolle, Isolation und psychische Abhängigkeit umschlagen können. Die Doku passt in eine Zeit, in der Online-Coaching boomt und die Grenzen zur Manipulation fließend verlaufen: Etliche Provider versprechen Heilung und Selbstverwirklichung, vernachlässigen aber – oder instrumentalisieren sogar – die psychologischen Bedürfnisse ihrer Klient:innen. Neue Fälle aus den vergangenen Monaten, etwa um Esogruppen, sektenähnliche Coachings in Deutschland oder einschlägige Influencer, zeigen: Der Markt ist unübersichtlich und von außen schwer zu durchschauen. Medien berichten, dass Betroffene oft nach dem Ausstieg mit Schuldgefühlen, finanziellen Engpässen und sozialer Isolation kämpfen. Rechtliche Grauzonen erschweren eine eindeutige Einordnung und Strafverfolgung solcher Gruppierungen weiterhin.

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