Europa verliert Köpfe: Deutschlands Brain Drain und das stille Beben

Berlin – Viel wird gerätselt, wie viele Menschen Deutschland tatsächlich verlassen. Neue Zahlen von DataPulse Research offenbaren: 2024 zogen netto über 91.000 im Inland Geborene ins Ausland ab – ein sprungartiger Anstieg von fast 50 % seit 2019! Seit 2005 hat das Land mehr Menschen verloren, als ganz Köln Einwohner zählt.

heute 12:58 Uhr | 2 mal gelesen

Manchmal erscheint es fast wie eine unsichtbare Strömung unter der Oberfläche: Weggezogene kommen seltener zurück, als es früher der Fall war. Konkret ist die Zahl der Rückkehrenden von 2019 bis 2024 um mehr als ein Viertel geschrumpft – von knapp 66.500 auf unter 50.000. Keine rein deutsche Eigenart, übrigens: Eine Auswertung von DataPulse Research deckt auf, dass dieses Wandern fast ganz Europa betrifft. Von 19 untersuchten Staaten schreiben 17 rote Zahlen, was den Geburtsort-Verlust angeht. Was treibt Menschen an, das Land zu verlassen? Nun, es ist kein Domino, sondern ein Flickenteppich an Gründen: Gehälter, Jobchancen, Steuern, ein günstigeres oder schlicht gemütlicheres Leben – teils wechseln Leute sogar wegen Sprache oder weil ihnen das Licht an einem anderen Ort besser gefällt. Der Preis lässt sich grob beziffern: Laut Studie entgehen Deutschland jedes Jahr bis zu zwei Milliarden Euro an Steuereinnahmen durch diese Auswanderung. Summiert sich das über ein Jahrzehnt, ergibt sich der Wert einer mittelgroßen Stadt – Geld, das dem Sozialstaat fehlt. Zwar gewinnt Deutschland durch EU-Binnenmigration oftmals noch Arbeitskräfte, doch das Blatt wendet sich. 2024 habe der Zuwanderungsüberschuss erstmals ins Negative gedreht. Etwas komplizierter wird die Sache bei der europäischen Betrachtung: Circa 84 % der im Inland Geborenen, die Deutschland verlassen, wandern in ein anderes EU-Land – die allermeisten also nicht nach Übersee, sondern nur ein paar Länder weiter. Heißt: Europas Verluste sind zugleich innereuropäische Verschiebungen von Know-how und Arbeitskraft. Wiegt das den einzelnen Nationalverlust auf? Eher Ansichtssache. Alle Details, inklusive interaktiver Visualisierungen und methodischer Hintergründe, listet die gesamte Studie von DataPulse Research online auf: https://www.datapulse.de/brain-drain-eu Ein Satz noch zur Datengrundlage: Die Studie verarbeitet Wanderungszahlen von Eurostat, OECD und weiteren Instituten, deckt aber nicht alle EU-Mitglieder ab, da einige einfach keine Daten nach Geburtsort bereitstellen – darunter etwa Frankreich und Polen. Lücken sind also programmiert. Ach ja, falls Sie Fragen haben oder ihre eigenen Zahlenrätsel gelöst sehen möchten: DataPulse Research hat ein recht offenes Ohr für Journalistenanfragen.

Deutschlands 'Brain Drain' ist kein Randphänomen mehr: Über 91.000 in Deutschland Geborene haben 2024 netto das Land verlassen, wobei die Rückkehrbereitschaft weiter abnimmt. Gleichzeitig beobachten Experten, dass diese Abwanderung zu empfindlichen steuerlichen Verlusten führt – und trotz Zuzug aus anderen EU-Ländern gleicht sich das Humankapital nicht 1:1 aus; erstmals meldete Deutschland 2024 einen negativen Binnenmigrationssaldo. Die Ursachen sind ebenso vielfältig wie individuell: von Lohn und Steuerdruck über Jobchancen bis hin zu einem unsicheren Gefühl ob der Zukunft – Branchen wie Forschung, Medizin und IT merken die Abgänge als erstes. Auch in anderen europäischen Ländern, von Spanien bis Dänemark, ist die Abwanderung meist stärker als die Rückkehrbewegung. Zusätzlich ergibt sich eine Verschiebung: Ein Großteil der ausgewanderten Fachkräfte bleibt dem Kontinent erhalten, das Problem wird so zum gesamteuropäischen Kraftfeld. Darüber hinaus diskutieren Medien und Experten nicht nur über Statistiken, sondern auch über politische Strategien, mit denen Länder versuchen, ihre Talente mittels attraktiverer Bedingungen zu halten oder verlorene Köpfe zurückzugewinnen (Stichwort: "Reverse Brain Drain").

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