Georg Restle, seit gut zwölf Jahren das Gesicht und die Stimme hinter dem Politmagazin 'Monitor', verabschiedet sich 2026 von dieser Position. Den letzten Anker wirft er am 26. März – danach wird man ihn, sofern alles nach Plan läuft, in einer neuen Rolle erleben: Als Leiter des ARD-Studios Nairobi bekommt Restle die Aufgabe, für die ARD aus einem der dynamischsten und zugleich herausforderndsten Berichtsgebiete der Welt zu berichten. Seine Vorgängerin, Antje Diekhans, verlässt diesen Posten, um sich ab Sommer 2025 zusammen mit Juliane Fliegenschmidt auf die WDR-Auslandsabteilung in Köln zu konzentrieren.
Dass Restle wechselwillig ist, wundert kaum. Schon früher hat er sich als Reporter und Korrespondent ins Ausland gewagt: Moskau, Kiew, Warschau – und eben schon zu Vertretungen in Nairobi. In den letzten Jahren war Restle immer wieder für präzisen, manchmal unbequem offenen Journalismus bekannt – so jemand schickt sich an, nach Afrika zu gehen? Vielleicht wird da auch ein anderes journalistisches Schlaglicht gebraucht.
Ellen Ehni, Chefredakteurin für Politik und Zeitgeschehen beim WDR, drückt großen Respekt aus: Für sie steht Restle für Hartnäckigkeit, Tiefgang und einen Blick auf die Dinge, den viele Kolleginnen und Kollegen wohl gerne hätten. Wenn sie sagt, dass Restle „große Zusammenhänge aufzeigt“ und jenen eine Stimme gibt, „die sonst nicht gehört werden“, mag man an den Anspruch hoffen, mit dem er nach Nairobi startet. Die Rolle ist essenziell, denn das ARD-Studio bedient fast 40 Länder südlich der Sahara – das klingt nach Mammutaufgabe. Aber auch nach viel Gestaltungsspielraum zwischendurch.
Restle selbst sagt, er packe die Herausforderung mit Demut an – auch, weil er weiß, wie viel auf dem Spiel steht. Themen wie geopolitische Verschiebungen, Flucht und Migration, Rohstoffstreitigkeiten und damit verbundene Konflikte – Kenia und seine Nachbarländer sind längst nicht Randnotizen auf der globalen Agenda. Schon klar: Vieles hat Restle mit dem Monitor-Team von Deutschland aus beobachtet – jetzt ist der Ortswechsel Realität.
Weniger bekannt ist vielleicht, dass Restle neben seinem juristischen Studium (Freiburg und London) nach dem WDR-Volontariat für so ziemlich alle möglichen Formate innerhalb der Anstalt gearbeitet hat. Erst 2000 wechselte er ins Team von 'Monitor', zügig stieg er auf: Er wurde bald Redakteur, später stellvertretender Redaktionsleiter und seit 2012 Chef von allem. Unter seiner Führung wurde aus Monitor nicht nur eine Fernsehsendung, sondern eine digitale Plattform. Auch die Auszeichnung mit dem Grimme-Preis (2020, als Anerkennung für die Redaktion) ist Teil seiner Bilanz.
Das ARD-Auslandsstudio im kenianischen Nairobi ist übrigens schon altgedient – seit über 50 Jahren wird hier berichtet, von Mauretanien über Madagaskar bis zu den Krisenherden in Zentral- und Ostafrika. Im Moment lenkt Karin Bensch kommissarisch das Studio; Caroline Imlau berichtet als Korrespondentin. Mal sehen, welchen neuen Ton Restle anschlagen wird – Afrika ist für viele Deutsche immer noch „weit weg“, dabei sind es die Themen, die nicht selten fast direkt vor der Haustür landen.
Wer stöbern will: Pressefotos gibt es unter ard-foto.de, und die WDR-Presselounge ist auch online. Bei Fragen hilft WDR Kommunikation (Mailadresse und Telefonnummer sind fast schon auswendig gelernte Klassiker).
Georg Restles Wechsel ins kenianische Nairobi markiert nicht nur einen persönliches Neuanfang, sondern signalisiert auch ein wachsendes Interesse der ARD an afrikanischen Themen, die zunehmend global relevant werden. Immer häufiger geraten Konflikte um Rohstoffe, Klimawandel und die politischen Dynamiken Subsahara-Afrikas in das Blickfeld deutscher Berichterstattung – etwa im Zusammenhang mit Migrationsbewegungen oder Chinas Expansion auf dem Kontinent. In letzter Zeit wurde in unabhängigen Medien zudem diskutiert, wie der westliche Blick auf Afrika Überarbeitungsbedarf hat, etwa durch mehr Präsenz vor Ort, stärkere lokale Perspektiven oder ein Aufbrechen klassischer Klischees. Restles bisherige journalistische Haltung lässt hoffen, dass das Studio Nairobi künftig auch unbequeme Themen und Stimmen stärker herausstellt.