Udo Dinglreiter hat sich – nicht zum ersten Mal übrigens – deutlich zu Wort gemeldet: Die Wochenarbeitszeit, wie sie im Koalitionsvertrag fixiert wurde, müsse endlich Realität werden. Das bedeutet aus seiner Sicht keineswegs, dass die Leute mehr arbeiten sollen. Vielmehr geht es Dinglreiter (laut Interview in der „Rheinischen Post“ vom Samstag) darum, die Arbeitszeit freier über die Woche zu verteilen – im Sinne aller Beteiligten. Besonders wichtig scheint ihm dabei, dass auf das bisherige Modell der Vertrauensarbeitszeit (also ohne minutiöse Dokumentation) nicht verzichtet wird. Kurzum: Für Unternehmer wie Beschäftigte wäre das wohl tatsächlich, so Dinglreiter, ein Aufbruchssignal. Gleichzeitig stichelt er gegen die Politik. Nicht zum ersten Mal bemängelt Dinglreiter, dass trotz der vorliegenden Analysen das Handeln zu lange dauert. Interessanter Seitenhieb noch: Auch unter der Vorstellung, Friedrich Merz säße schon am Ruder, müsse es schneller gehen. Sein Appell: Vor der Sommerpause sollten dringend entscheidende Weichen gestellt werden. Ob’s klappt? Wer weiß das schon.
Die Arbeitswelt in Deutschland steht an einem Kipppunkt: Flexible Arbeitszeiten, digitale Kontrolle und der Ruf nach einer Modernisierung prallen aufeinander. Während Gesamtmetall und sein Präsident Flexibilität und weniger Kontrolle fordern, mahnen Gewerkschaften und einige Arbeitsrechtler zur Vorsicht – Stichwort Arbeitszeitschutz und gesundheitliche Belastung. Trotz der hitzigen Debatte gibt es bislang keine finale politische Einigung, doch die Diskussion spiegelt zahlreiche aktuelle Themen wider: Digitalisierung, Fachkräftemangel, Vereinbarkeit von Familie und Beruf. In den letzten beiden Tagen wurde etwa diskutiert, wie Unternehmen flexiblere Modelle effizient nutzen, aber auch, wie sich das auf Motivation und Burn-out-Risiko auswirkt. Zudem berichten mehrere Medien davon, dass sich europäische Nachbarländer zum Teil schon weitergehende flexible Arbeitszeitmodelle erlauben – Deutschland zögert noch.