Gerade wenn Gegenwind herrscht – also in wirtschaftlich unsicheren Zeiten –, setzen Unternehmen wieder verstärkt auf persönliche Begegnungen. Irgendwie scheint das klassische Treffen noch immer als Vertrauensanker und manchmal sogar als Rettungsleine betrachtet zu werden, wie es der Verband Deutsches Reisemanagement herausgefunden hat. Merkwürdig eigentlich, dachten doch viele, nach der Pandemie würde Videokonferenz das neue Normal sein. Doch die Realität sieht ein wenig anders aus: Vor allem Mittelständler lassen ihre Mitarbeitenden reisen. Besonders bei Unternehmen mit zehn bis 500 Mitarbeitenden steht man ungern still; sie verantworten über drei Viertel aller Geschäftsreisen, und deren Zahl ist um fast sechs Prozent gewachsen – viel mehr als bei den Großen.
Das liegt vermutlich daran, dass es im Mittelstand keine riesigen Analyseabteilungen gibt: Wenn ein Kunde zu wackeln droht, setzt sich oft der Chef selbst ins Auto oder in den Zug. Gleichzeitig drücken genau diese Unternehmen aufs Budget – sie sparen durch frühere und günstigere Buchungen und halten die Aufenthalte knapp. Tatsächlich dauern ein Drittel der Trips maximal einen Tag. Das alles drückt die Kosten: Im Schnitt werden für eine Geschäftsreise 418 Euro ausgegeben, knapp fünf Prozent weniger als im Vorjahr. Wer sich fragt, wie die Firmen das hinbekommen: Am wirkungsvollsten ist offenbar die Wahl des Verkehrsmittels. Die Bahn schlägt inzwischen das Flugzeug bei Inlandsreisen – und zwar deutlich (über die Hälfte aller Trips). Fliegen im Inland wird seltener, was sicher auch mit weniger Linien und generell höheren Preisen zu tun hat. Wer im Zug sitzt, kann immerhin Mails abarbeiten, statt am Gate zu warten.
Schaut man auf die Pläne der Unternehmen, wird klar: Der Trend hält womöglich an. Fast zwei Drittel der befragten Betriebe blicken geschäftsreisenfreundlich in die Zukunft, nur wenige sehen Rückgänge. Inzwischen reisen nicht mehr nur Chefs und Projektleiter, auch breitere Teile der Belegschaft sind regelmäßig unterwegs. Dienstreisen werden mehr und mehr zur ganz normalen Arbeitsrealität.
Nach dem pandemiebedingten Einbruch der Dienstreisen in der Wirtschaft erlebt die Branche aktuell eine deutliche Wiederbelebung, wobei besonders kleine und mittlere Unternehmen für das Wachstum sorgen. Die durchschnittlichen Reisekosten sinken, was hauptsächlich auf eine sparsamere Planung und die Verlagerung vom Flugzeug auf die Bahn zurückzuführen ist, unterstützt durch den Ausbau des Schienennetzes und vermehrte Flexibilität der Unternehmen. Zudem hat sich das Profil des Geschäftsreisenden verändert: Dienstreisen sind keine exklusive Angelegenheit des oberen Managements mehr, sondern durchdringen mittlerweile viele Hierarchieebenen; dies spiegelt den Wunsch wider, persönliche Beziehungen trotz Digitalisierung zu pflegen – gleichzeitig wird Nachhaltigkeitsaspekten zunehmend Beachtung geschenkt, etwa durch klimafreundliche Verkehrsmittel und Kompensation von Emissionen.