Steuererklärungen 2024: Lange Wartezeiten bleiben vielerorts Realität

In Deutschland zieht sich die Bearbeitung von Steuererklärungen auch 2025 vielerorts in die Länge – mit deutlichen Unterschieden zwischen den Bundesländern.

heute 18:39 Uhr | 2 mal gelesen

Mal ehrlich: Wer gibt schon gerne seine Steuererklärung ab und wartet dann womöglich ewig auf Antwort? Für das Steuerjahr 2024 dauerte die Bearbeitung in Deutschland im Schnitt länger als im Jahr zuvor – das hat eine neue Auswertung vom Bund der Steuerzahler, über die der 'Focus' berichtet, ergeben. Der Verband befragt dazu jedes Jahr die Finanzbehörden aller 16 Bundesländer. Diesmal zeigt sich: Sechs Länder haben beim Tempo zugelegt, die übrigen tun sich weiterhin schwer oder brauchen sogar noch mehr Zeit als früher – das reicht von einem Tag mehr bis hin zu fast einer Woche Verzögerung. Nordrhein-Westfalen macht es besonders spannend: Dort gibt es keine exakten Zahlen, nur eine grobe Ansage, die von zwei Wochen bis zu satten sechs Monaten reicht. Wo ging's am Flottesten? Hessen liegt mit durchschnittlich 41,1 Tagen ganz vorn, gefolgt von Berlin (41,5 Tage). Sachsen und Bayern teilen sich Rang drei mit je 42 Tagen. Aber am anderen Ende der Tabelle sieht es finster aus: Das Saarland (51,4 Tage) und insbesondere Bremen (über sieben Wochen, auf 56,15 Tage gerechnet) brauchen am längsten. Daniela Karbe-Geßler vom Steuerzahlerbund kritisierte im Gespräch mit dem 'Focus', es dürfe nicht der Wohnort darüber entscheiden, wie schnell man Rückzahlungen oder Bescheide bekommt. Wenn man die Steuerfälle von Arbeitnehmern betrachtet, schneiden Berlin und Sachsen besonders gut ab – hier sind die Vorgänge sogar in unter 40 Tagen erledigt. Für Selbstständige oder Unternehmer dagegen schafft es bundesweit kein Land unter diesen Wert. Immerhin: Die digitale Automatisierung schreitet langsam voran. Rund 23 Prozent aller Erklärungen wurden 2025 komplett automatisch bearbeitet – immerhin ein leichter Zuwachs gegenüber 2024.

In vielen Bundesländern Deutschlands zieht sich die Bearbeitung der Steuererklärungen spürbar in die Länge, insbesondere im Saarland und in Bremen, wo im Schnitt bis zu zwei Monate gewartet werden muss. Besonders gravierende regionale Unterschiede sorgen für Frust und Kritik, denn während in einigen Bundesländern wie Hessen, Berlin oder Sachsen zügig gearbeitet wird, lässt sich in Nordrhein-Westfalen keine einheitliche Bearbeitungszeit feststellen – nur eine breite Spanne von zwei Wochen bis zu einem halben Jahr wird angegeben. Automatisierung greift langsam weiter um sich, doch eine echte Gleichbehandlung aller Steuerzahler bleibt aus. Laut einer aktuellen Recherche (u.a. Süddeutsche Zeitung, Spiegel Online, Frankfurter Allgemeine Zeitung) gab es in diesem Jahr Berichte zu steigenden Wartezeiten und zu Worten der Finanzbeamten über Personalmangel, aber auch zu Pilotprojekten für mehr Digitalisierung und ersten Versuchen algorithmischer Bearbeitung besonders einfacher Fälle. In manchen Bundesländern führt die Entlastung durch Automatisierung sogar schon zu kürzeren Bearbeitungszeiten einfacher Arbeitnehmerfälle, während komplexere Fälle tendenziell länger dauern. Vorschläge für eine bundesweit einheitlichere und schnellere Bearbeitung liegen auf dem Tisch – ob und wie sie umgesetzt werden, bleibt abzuwarten.

Schlagwort aus diesem Artikel