Gesunde Lebensjahre: Wirtschaftlicher Rückenwind für Deutschland?

Wenn Menschen in Deutschland nicht nur länger, sondern vor allem gesünder leben, wird das zur echten Triebfeder für die Wirtschaft. Das legt eine neue Studie nahe, die berechnet, wie zusätzliche gesunde Lebensjahre in Europa zu Milliarden-Effekten führen könnten – und zeigt dabei auch überraschende Unterschiede zwischen einzelnen Regionen.

heute 09:59 Uhr | 3 mal gelesen

Längeres Leben – wer wünscht sich das nicht? Aber eigentlich geht es ja eher darum, wie wir die gewonnenen Jahre verbringen: aktiv, frei von Krankheiten und mit möglichst viel Elan. Genau hier setzt die Studie von Dr. Nima Sanandaji an, die nicht nur auf die Lebenserwartung schaut, sondern vor allem Wert darauf legt, wie viele dieser Jahre die Menschen tatsächlich in einem guten Gesundheitszustand genießen können. Seine Forschung – beauftragt von Northerner und basierend auf europaweiten Zahlen – berechnet den Wert so eines zusätzlichen gesunden Lebensjahres: satte 43.000 Euro ökonomischer Nutzen je Erwachsenem in Deutschland. Es geht dabei nicht allein ums Geld: Mehr gesunde Lebensjahre bringen auch persönliche Freiheit, Selbstständigkeit und Lebensqualität. Im europäischen Vergleich rangiert Deutschland, was gesunde Lebensjahre angeht, eher mittelmäßig. Beispielsweise erreichen 50-jährige Männer hierzulande im Schnitt 67,5 gesunde Lebensjahre – in Schweden sind es 74,5. Einer der Gründe: Schweden verzeichnet mit seiner restriktiven Tabakpolitik und dem Trend zu risikoärmeren Nikotinalternativen eine extrem niedrige Raucherquote. Ein nüchterner Blick darauf zeigt: Deutschland hat hier Nachholbedarf, was zugleich riesiges Verbesserungspotenzial offenbart. Wie groß der wirtschaftliche Effekt sein kann? Laut Studie würde allein ein weiteres gesundes Jahr für die aktuelle 50-Plus-Generation Europas einen Zusatzwert von 210 Milliarden Euro erwirtschaften, zusätzlich zu einem gesellschaftlichen Plus von fast 30 Milliarden. Das ist Geld – sicher. Aber es steckt auch das Versprechen dahinter, länger die eigenen Interessen verfolgen, arbeiten, reisen oder Neues lernen zu können. Interessanterweise schwankt der Wert eines gesunden Lebensjahres innerhalb Deutschlands massiv: In Hamburg liegt der rechnerische Mehrwert bei stolzen 70.000 Euro, während er in Regionen wie Chemnitz das weniger als die Hälfte beträgt. Wer also alt wird, aber dabei gesund bleibt, ist nicht nur für sich selbst ein Gewinn – das Land profitiert ebenfalls. Gesunde Jahre sind also, könnte man fast sagen, die heimliche Währung von Fortschritt.

Die Studie von Dr. Nima Sanandaji verdeutlicht, dass zusätzliche gesunde Lebensjahre nicht nur den Einzelnen bereichern, sondern auch messbare wirtschaftliche Impulse fürs Land auslösen. Deutschland liegt im internationalen Vergleich eher zurück, kann aber vor allem durch Senkung von rauchbedingten Erkrankungen deutlich aufholen. Interessant: Laut aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes ist die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland zwar zuletzt leicht gestiegen, doch der Anteil der Jahre ohne chronische Krankheit wächst langsamer als erhofft. Initiativen zur Prävention – etwa gegen Adipositas, Bewegungsmangel oder Rauchen – werden laut Bundesgesundheitsministerium deshalb verstärkt, um die Lebensarbeitszeit und Produktivität nachhaltig zu sichern (Quelle: destatis.de; bundesgesundheitsministerium.de). Der ökonomische Wert gesunder Jahre wird verstärkt auch von Wirtschaftsinstituten wie DIW thematisiert, die besonders auf die alternde Gesellschaft und den notwendigen Ausbau altersgerechter Arbeitsplätze hinweisen. Gesundheitsökonomische Analysen, so argumentiert das Institut der deutschen Wirtschaft, werden im politischen Diskurs zunehmend als Baustein für Reformen im Gesundheitswesen verstanden (Quelle: iwkoeln.de).

Schlagwort aus diesem Artikel