Ein Papagei, der scheinbar Gespräche führt oder eine Raubkatze, die sich kittenhaft auf einem Sofa räkelt – solche Videos knacken mühelos Millionen-Klickzahlen und sorgen dafür, dass Exoten als heimische Haustiere immer mehr zur Mode geraten. Solche Inhalte, auf Plattformen wie TikTok, Instagram und YouTube geteilt und gefeiert, befeuern eine gefährliche Spirale: Kriminelle Netzwerke wittern das Geschäft und nutzen die entstehende Nachfrage gnadenlos aus. Für Tiere und deren ursprüngliche Lebensumfelder sind die Folgen fatal, auch wenn ein Video vielleicht nur zum Lächeln anregen soll.
Andreas Dinkelmeyer vom IFAW bringt es scharf auf den Punkt: Was im Netz harmlos wirkt, facht in Wahrheit illegale Geschäfte an – mit realem Leid für Millionen Kreaturen. Die Kampagne „Liked to death“ setzt genau hier an und macht Stopp: Liken, Teilen und Herzchen verteilen ist nicht harmlos, sondern kann den Tierhandel enorm anfeuern.
Eine europaweite Umfrage (durchgeführt von Sapience im Auftrag des IFAW) offenbart einen bedrückenden Zwiespalt: Siebzig Prozent finden Wildtiere als Haustiere unpassend und fordern sogar härtere Gesetze (84 Prozent), doch das Wissen über Herkunft und Umfang des Handels bleibt erschreckend gering, vor allem die Rolle Europas wird unterschätzt.
Der Profit mit Wildtieren ist riesig: Schätzungen zufolge gehen jährlich zwischen sieben und 23 Milliarden Dollar durch die illegalen Märkte – meist auf Kosten jener Tiere, die den Fang und Transport ohnehin oft nicht überleben. Blinde Flecken im Gesetz und zu wenig Bewusstsein verschärfen das Problem: Ein Drittel erkennt den europäischen Anteil nicht, und viele denken beim Klicken nicht an die Folgen.
Der IFAW fordert strengere EU-Regeln – konkret Positivlisten, konsequente Strafverfolgung und schärfere Überwachung des Onlinehandels. Der Appell an die Crowd: Lasst die Finger von solchen Inhalten, kauft keine Wildtiere (und schon gar nicht übers Netz) und meldet Verdächtiges!
Zur Kampagne
Mit „Liked to death“ startet IFAW eine Aufklärungsoffensive quer durch Europa, zunächst auf Englisch. Ziel: Social-Media-Nutzer, aber auch Kinogänger und Passanten. Forschung und Erfahrungen aus der Wildtier-Rettung fließen ein; weitere Sprachen und Materialien sind in Arbeit. Mehr dazu hier.
Über die Studien
Für die Studie wurde 2025 eine repräsentative Befragung von über 3.700 Europäer:innen durchgeführt und dessen Erkenntnisse stehen öffentlich zur Verfügung. Parallel hat YouGov im Auftrag des IFAW britische Halter:innen exotischer Tiere befragt, wie und woher ihre Tiere kommen und ob sie dabei Regeln beachten. Zusatzinfos dazu hier.
Über IFAW
Der IFAW ist weltweit in über 40 Ländern im Einsatz und engagiert sich für Tier- und Artenschutz, oft unter erschwerten Bedingungen. Das Team rettet, pflegt und schützt Tiere so gut es eben geht, entwickelt neue Lösungen und arbeitet dabei mit anderen Engagierten zusammen: Staaten, NGOs, sogar Unternehmen. Wer stöbern will: www.ifaw.org
Kontakt: Raphael Heinetsberger · IFAW Deutschland · t: +49 (0)40 86650038 · e: rheinetsberger@ifaw.org
Quelle: IFAW Deutschland, ots.de
Immer mehr exotische Wildtiere tauchen auf Instagram und TikTok auf – meist in Videos, die die possierlichen Tiere als unkomplizierte Haustiere inszenieren. Doch hinter den Klicks verbirgt sich ein millionenschweres Netzwerk aus illegalen Geschäften, das Artenvielfalt bedroht und Tierleid in Kauf nimmt. Laut IFAW sind fehlende Aufklärung, falsche Vorbilder auf Social Media und eine zu lasche Gesetzgebung die Hauptprobleme: Viele Menschen sind sich weder der Folgen ihres Online-Verhaltens bewusst noch der Tatsache, wie sehr Europa als Umschlagplatz für den Wildtierhandel fungiert. Die Organisation fordert dringend Positivlisten – das heißt, nur nachweislich geeignete Tierarten sollen überhaupt als Haustiere erlaubt werden – und eine harte Gangart gegen Online-Händler. Überdies weisen aktuelle Medienberichte darauf hin, dass die EU-Kommission gerade ein schärferes Regelpaket für exotische Haustiere prüft. Wissenschaftler warnen außerdem: Der Trend zu exotischen Mitbewohnern wurde durch die Pandemie sogar noch beschleunigt, weil mehr Zeit zu Hause für neue (und oft unüberlegte) Anschaffungen genutzt wurde. Social-Media-Plattformen stehen besonders in der Kritik, da sie recht wenig tun, um Verkauf oder Zurschaustellung illegaler Tiere zu unterbinden.