Ghosting beim Online-Dating: Was dahintersteckt (und wie man es vermeiden kann)

Ghosting ist auf Dating-Plattformen allgegenwärtig, doch wir sind nicht machtlos dagegen – ein genauer Blick auf die Gründe zeigt, wo wir ansetzen können.

vor 32 Minuten | 2 mal gelesen

Mir ist in letzter Zeit immer häufiger aufgefallen: Kaum jemand, der Dating-Apps nutzt, bleibt von plötzlichem Kontaktabbruch – Ghosting also – verschont. Studien berichten nicht nur von seelischer Belastung unter Nutzer:innen, sondern beleuchten erstmals tiefergehend, weshalb dieses Schweigen so normal geworden ist.

Ghosting heißt, mitten im Austausch bricht eine Seite ohne Erklärung ab, mitunter, obwohl davor Offenheit und Vertrautheit aufblitzen. Psychologe, Autor und Dating-Coach Guido F. Gebauer, der übrigens auch Gleichklang mitgegründet hat, hat in mehreren Veröffentlichungen ('Alles über Ghosting', diverse Videos) vier ineinandergreifende Gründe identifiziert, warum Menschen online so spurlos verschwinden.

Vier Faktoren, warum Ghosting geschieht

1. Vergessen statt böser Absicht – das "ungewollte Ghosting"

Eine große Umfrage unter mehr als 1.100 Gleichklang-Nutzenden zeigt: Oft sind es gar keine schlechten Absichten. Vielmehr läuft das Geschehen manchmal schlicht aus dem Ruder, etwa weil Nachrichten untergehen oder andere Dinge wichtiger scheinen. Dieses "Pseudo-Ghosting" fühlt sich für den oder die Verlassenen trotzdem echt an. Gebauer rät, im Zweifel noch einmal nachzufragen – vielleicht ist der Kontaktabbruch gar nicht gewollt gewesen.

2. Viel Daten, wenig echte Partnerschaft

Spannend ist: Obwohl Dating-Apps boomen, steigt die Zahl der Singles. Die Flut an Möglichkeiten scheint paradoxerweise echte Bindung zu erschweren und Ghosting zu fördern – weil jeder denkt, es gebe eine weitere Option, und Verbindlichkeit seltener wird.

Was tun bei Ghosting?

Laut Gebauer hilft es, die eigene Tendenz zum Rückzug zu reflektieren. Besser einmal mehr ein offenes, vielleicht unbequemer Gespräch führen, als sich wortlos zu verabschieden. Es braucht Mut, Unsicherheiten auszuhalten – aber genau das fördert stabile Beziehungen. Ganz zentral: Ghosting nicht als Normalität durchgehen lassen, sondern bewusst gegensteuern. Wer sich vorbereitet, kann sogar lernen, Ghostingerfahrungen gelassener zu nehmen und später wieder offen zu bleiben.

Unterm Strich gilt: Online-Dating forciert zwar anonyme Abbrüche, doch wie wir selbst damit umgehen, liegt durchaus in unserer Hand.

Pressekontakt und Interview-Anfragen:
Dr. Guido F. Gebauer, Gleichklang limited, Oesterleystr 1, 30171 Hannover, Tel: +49 (0)15228973672, E-Mail: gebauer@gleichklang.de

Mehr zum Thema unter: ots.de

Ghosting ist im Zeitalter der Dating-Apps so verbreitet wie selten zuvor und belastet immer mehr Menschen psychisch. Während viele Betroffene den Kontaktabbruch als Angriff erleben, spielen laut Psychologe Guido F. Gebauer häufig Versehen oder Überforderung ('Pseudo-Ghosting') eine Rolle. Insgesamt scheint die digitale Partnersuche mit ihren zahllosen Optionen zwar Begegnungen zu erleichtern, echte Beziehungen aber paradoxerweise zu erschweren – und Ghosting ist dabei nur das sichtbarste Symptom von grundsätzlichen Problemen im digitalen Dating-Markt. Zusätzliche Recherche: Ghosting wird zunehmend als gesellschaftliches Problem erkannt, auch weil Untersuchungen zeigen, dass regelmäßige Nutzer:innen von Dating-Apps im Durchschnitt einsamer und stärker psychisch belastet sind. Artikel der ZEIT und der Süddeutschen bestätigen, dass Ghosting vor allem bei Jüngeren weit verbreitet ist und oft mit diffusen Ängsten und Commitment-Scheu zusammenhängt. Gleichwohl mehren sich Stimmen, die für bewusstere Kommunikation und mehr Empathie im digitalen Kennenlernen werben – und damit einen Kulturwandel im Umgang mit Ghosting fordern.

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