Lokalsport ist investigative Heimatkunde
Der Silberrang bei den Texten ging an Michael Schwartz, der in der Kreiszeitung Böblinger Bote hemmungslos nachgehakt hat: Illegaler Wettbetrug – ausgerechnet in der Kreisliga. Ausgerechnet! Wer denkt, hier ginge es nur um ehrenhafte Dorfmatches, wird von seinem Bericht über dubiose Geldströme und laxe Gesetzeslage wachgerüttelt. Die Polizei schaut weg, die Vereine wachen auf. Schwartz bleibt unbequem, seine Recherche deckt auf, wie verwundbar der Amateurfußball ist.
Bilder voller Wucht und Stille
Bei den Fotografen zeigte Thorsten Richter aus der Oberhessischen Presse ein Händchen für das Spektakuläre: Seine Aufnahme eines Gespannfahrers, der mit Karacho durchs Wasser donnert, ist ein eingefrorener Sturm aus Kraft, Präzision und spritzendem Nass. Ebenfalls meisterlich und etwas stiller: Rudi Penks Fotos paaren Kunstrad-Artistik mit sakraler und moderner Architektur – Sport als Brückenschlag zwischen Bewegung und Raumgefühl, zwischen Kirchenchor und Museumsflur.
Onlineformate: Zwischen Spielfeld, Bildschirm und Tribüne
Digital trumpfte das Team „Kreisliga Royal“ der VRM auf – Videos, die von Herzblut und Skurrilität im Amateurfußball erzählen. Geschichten, so bunt und seltsam wie das Leben in Unter- und Mittelhessen. Direkt dahinter landete Marko Aleksic, der mit seiner Doku über eine U17-Eishockeymannschaft den Zuschauer ins Innenleben jugendlicher Sportträume führt – alles, was zwischen Umkleidekabine und Playoff-Euphorie so passiert.
Herzblut statt Tabellen
Seit 23 Jahren hebt der Veltins-Lokalsportpreis Lokalsport auf die große Bühne. Es geht um mehr als Zahlen und Ergebnisse, um Ideenreichtum, Mut und handwerkliche Exzellenz. Die Jury, besetzt mit Profis aus Medien und Fotografie, setzt auf Qualität als „härteste Währung“ – gerade in einer nervös-digitalen Medienwelt. Und die kreativen Köpfe im Lokalsport beweisen, dass Reporter und Fotografen vor Ort immer wieder überraschen können – mal mit feuchten Schuhen, mal mit Gänsehautmomenten, mal mit unbequemen Fragen.
Der Veltins-Lokalsportpreis 2026 feierte erneut Journalistinnen, Fotografen und Kreative aus dem Lokalsport, die Mut bewiesen und hinter die Fassaden schauten. Viel diskutiert und ausgezeichnet wurden in diesem Jahr Beiträge, die menschliche Schicksale genauso wie gesellschaftlich brisante Skandale thematisierten – etwa Depression und Trauerbewältigung durch Sport oder Skandale beim Amateurfußball. Mit dem Preis fördern die Initiatoren seit inzwischen über zwei Jahrzehnten fundierte, innovative und crossmediale Ansätze, um lokale Sportberichterstattung lebendig, kritisch und immer wieder überraschend zu gestalten. Erweiterte Recherche ergab: Reportagen mit Tiefgang und gesellschaftlichem Bezug gewinnen auch im Sportjournalismus an Gewicht, wie in den letzten Tagen etwa Texte zur emotionalen Dimension der Europameisterschaft, zur Rolle des Sports in gesellschaftlichen Debatten oder innovative lokale Formate zeigten. Nicht nur der Preis, auch das Gesamtniveau der Einreichungen reflektiert das wachsende Bewusstsein für Qualitätsjournalismus im Lokalen. In anderen aktuellen Artikeln wurde etwa thematisiert, wie sich der Amateurfußball während der EM neu aufstellt und in den Vordergrund rückt (z.B. in Portraits von Ehrenamtlichen und Vereinsleben), wie Digitalformate das Storytelling im Sport weiterentwickeln, und wie Sport ebenso als Bühne für Inklusion und gesellschaftlichen Wandel dient. Diese Entwicklung ist ein klares Signal, dass Sportjournalismus weit mehr ist als Ergebnisdienst und Tabellenpflege.