Es klingt fast schon resigniert, wenn Henriette Held, 24 Jahre alt und Sprecherin der Grünen Jugend, ihre Partei öffentlich rügt: Im Osten, so ihr Tenor, trügen die Grünen oft ein moralisches Schild vor sich her, das zwar leuchte, aber keinen echten Schatten in die Gemeinde wirft. 'Gerade diese Haltung', sagt sie, 'steht echten Begegnungen im Weg.' Sie fordert mehr Gespür für die Leute vor Ort und greifbare Aktionen: Stadtfeste, Infostände, Mitmach-Angebote. Ihr Vergleich fällt unbequem aus: Ausgerechnet die AfD zeige, wie man Verankerung schafft – Bratwurst & Hüpfburgen als Magnet für Bürgernähe. Natürlich sei das kein Grund zum Nachahmen, aber Gedanken mache das schon. Zugleich lobt Held die neue Initiative von Grünen-Chef Felix Banaszak, ein Präsenz-Büro in Brandenburg einzurichten. Sie selbst bleibt skeptisch-optimistisch: Sichtbarkeit sei wichtig, aber letztlich zählt, wer nach dem Fest noch zum Gespräch bleibt. Seit Herbst 2025 teilt sich Held das Sprecheramt der Grünen Jugend mit Luis Bobga. Interessanterweise stellt sie die üblichen Erzählungen vom 'modernen Auftritt' in Frage – oft gehe es schlicht um Teilhabe auf dem Dorffest.
Henriette Held, noch nicht einmal Mitte Zwanzig und bereits Bundessprecherin der Grünen Jugend, wirft ihrer eigenen Partei Nachlässigkeit im Dialog mit den Menschen vor, insbesondere im Osten Deutschlands. Ihr Hauptkritikpunkt: Während die AfD Präsenz zeigt und Menschen anzieht, bleibt von den Grünen vor Ort meist wenig sichtbar. Aktuelle Entwicklungen zeigen: Viele Parteien suchen im Osten nach neuen Wegen der Bürgerbeteiligung, wobei die Grünen ihren Nachholbedarf intern durchaus offen ansprechen.
Eine aktuelle Recherche zeigt außerdem, dass die Grünen in Medien und Lokalpolitik dieses Thema in den letzten Tagen wiederholt aufgegriffen haben. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Haseloff etwa warnte zuletzt vor Vertrauensverlust in die Demokratie, der sich auch im Umgang mit Bürgerinnen und Bürgern spiegele. Die öffentliche Diskussion über Ost-West-Gefälle, Sichtbarkeit und die Balance zwischen politischem Anspruch und Lebensrealität ist damit aktueller denn je, wobei selbst große grüne Namen wie Habeck und Lang betonen, dass das „Hingehen“ wichtiger ist als reine Programmdiskussionen.