Martin Werding sieht im neuen Tariftreuegesetz keine wirksame Stärkung der Tarifautonomie. Aus seiner Sicht führen solche Regelungen, wie sie in den meisten Bundesländern schon gelten, weder zu einer höheren Tarifbindung noch stoppen sie deren schleichenden Rückgang. Im Gegenteil, sie bewirken hauptsächlich mehr Verwaltungsaufwand und zusätzliche Kosten für Unternehmen, die sich für öffentliche Aufträge bewerben. Ergänzend lässt sich aus aktuellen Berichten festhalten: Während Verfechter des Gesetzes darauf hoffen, faire Arbeitsbedingungen durch stärkere Tariflohnbindung zu fördern, fürchten Wirtschaftsverbände eine Belastungswelle speziell für kleine und mittelständische Betriebe. Neuere Analysen betonen zudem, dass die Effektivität der Tariftreuegesetze stark von ihrer Umsetzung und Kontrolle abhängt – genau hier sehen Kritiker strukturelle Schwächen. Außerdem sorgen die Unterschiede zwischen Bundesländern für ein undurchsichtiges Flickwerk, das Unternehmen und öffentliche Auftraggeber immer wieder vor neue Herausforderungen stellt.