Am 16. April traf sich das Who’s who deutsch-chinesischer Wirtschafts- und Innovationsbeziehungen in Münchens BMW Welt: Eine bunte Mischung aus Fachvorträgen, lebhaften Diskussionsrunden und Business-Speed-Dating prägt den 18. "Taicang-Tag". Das Motto, etwas wortgewandt formuliert, lautete: "Gemeinsam Zukunft gestalten – mit Technik und Kreativität." Gut 300 Branchen-Insider aus Politik, Wirtschaft und Forschung saßen zusammen, neugierig und offen für frischen Input angesichts globaler Turbulenzen.
Unter den Rednern mischten sich hoher Besuch und sehr unterschiedliche Perspektiven: Ministerialdirigentin Gudrun Weidmann (Bayerisches Wirtschaftsministerium), Zhai Qian (chinesische Botschaft), Chen Xiaodong (Handelsministerium Jiangsu), Christian Scharpf (Stadt München) und IHK-Oberbayern-Chefin Michaela Schenk. Moderation: Stefan Geiger vom Chinaforum Bayern, Boden verankert und thematisch sattelfest.
Weidmann nutzte die Bühne, um auf die tiefe wirtschaftliche Verflechtung Bayerns und Chinas hinzuweisen – mit Taicang als Paradebeispiel gelebter Kooperation. Gerade jetzt, so betonte sie, seien Sicherheit und transparente Regeln für Unternehmen entscheidend, besonders in den Feldern grüne Industrie, Fachkräfte und smarte Fertigung.
Zhai Qian griff das auf: Trotz geopolitischer Spannungen und Protektionismus sei die deutsch-chinesische Freundschaft lebendig. Taicang selbst, so sagte er, stehe für offene Innovation und soliden Handel; China wolle nicht nur weiterwerden, sondern auch fair – ein Anspruch, der aufhorchen ließ.
Von Seite Jiangsus erinnerte Chen Xiaodong daran, dass Deutschland wichtigster Partner Europas sei und Taicang sich zur zentralen Brücke zwischen den Regionen entwickelt habe. Die positiven Beispiele dort sollten als Blaupause für zukünftige Kooperation dienen.
Christian Scharpf lobte, wie deutsche Mittelständler in Taicang florieren – von Fabrikhallen über Fußballschulen bis zum aktiven Kulturtransfer. Ihm ist es wichtig, dass sich die Zusammenarbeit noch vertieft, die Lernkurve beidseitig steil bleibt.
Michaela Schenk brachte einen bodenständigen Touch hinein: Sie beschrieb, wie die Firmen vor Ort längst mehr tun als nur produzieren. Entstanden ist eine quirlig-lebendige Community, die Forschung, lokale Lieferketten, Bildung und Innovation verbindet – und das Wort "Zukunft" nicht nur aufs Papier kritzelt.
Parteisekretär Chen Gao legte in seiner Grundsatzrede Wert auf das neue Leitbild: "Grün, innovativ, vernetzt" – weg von klassischen Investitionen, hin zu echter Entwicklungsdynamik. Klingt ambitioniert, ist aber auch ein bisschen Risiko – ein Balanceakt zwischen Wachstum und Nachhaltigkeit.
Konkreter wurde es in Vorträgen und Panels: Künstliche Intelligenz, Energieverträge, deutsch-chinesische Joint Ventures in der Robotik und Vorzeigeprojekte wie CO2-neutrale Industrieparks standen auf dem Zettel. Auf dem Flur wurde viel gelacht, doch angesichts der großen Themen schwang stets Ernst mit.
Noch eine Infospur am Rand: Der VDE bekommt seine China-Repräsentanz in Taicang – Zeichen, wie sehr der technologische Austausch neue Kanäle öffnet. Außerdem: Mehrere Kooperationsverträge, Programme zur Internationalisierung chinesischer Unternehmen und Unterstützung für grüne Transformation. Ein echtes „Wasch-mich-aber-mach-mich-nicht-nass“-Erlebnis in puncto bilateraler Wirtschaft.
Seit 2008 hat sich der Taicang-Tag von einer Quelle klassischer Investitionsgipfel zu einer facettenreichen Plattform gemausert. Aus Zahlen werden Geschichten, aus Konferenzen konkrete Projekte. Taicang – nicht nur eine Nachbarin von Shanghai mit guter Autobahnanbindung, sondern ein dynamischer Hafen, Unternehmenstalente und biomedizinische Hubs. Mittlerweile arbeiten hier über 500 deutsche Betriebe, darunter viele Weltmarktführer (meist so mittelgroß, aber traditionsbewusst). Diese verdienen im chinesischen Alltag längst mehr als ein bloßes Nicken: Mit Umweltinitiativen, rechtlicher Unterstützung und buntem Kulturleben wird die Zusammenarbeit Stück für Stück alltagsnah.
Wer Kontakt sucht, wird fündig (Mail, Telefon, Website), und das ist wohl typisch für diesen „Tag“ – auf Austausch und Offenheit kommt es an. Klingt ein bisschen euphorisch? Vermutlich, aber am Ende sind es die kleinen, oft komplizierten Schritte, die deutsch-chinesischen Alltag prägen und weiterbringen.
Der Taicang-Tag in München präsentierte sich 2024 als Treffpunkt für die deutsch-chinesische Kooperation – mit einem starken Fokus auf Innovation, Digitalisierung und klimafreundliche Entwicklung. Im Zentrum: Beispiele erfolgreicher Zusammenarbeit auf Augenhöhe, etwa CO2-neutrale Industrieparks, deutsch-chinesische Forschungsprojekte und duale Ausbildung. Kontrovers wurde punktuell diskutiert, wie Innovation im Spannungsfeld von Offenheit, politischen Unsicherheiten und Protektionismus gelingen kann.
Laut aktueller Berichterstattung (z.B. bei der Süddeutschen Zeitung und DW) nimmt das Thema deutsch-chinesische Wirtschaftsverflechtung gerade mit Blick auf Technologietransfer, Nachhaltigkeit und gegenseitige Marktzugänge weiter Fahrt auf – allerdings wachsen auch die Bedenken hinsichtlich politischer Einflussnahmen und Wettbewerbsbedingungen. Das Handelsblatt hebt in einem aktuellen Hintergrund hervor, dass die deutsche Industrie vorsichtig Optimismus zeigt, aber stärker auf Diversifizierung achten will, um Risiken zu streuen. Neue Projekte setzen verstärkt auf Künstliche Intelligenz, emissionsarme Produktion und die Ausbildung von Fachkräften beidseits.
Recherchierte Aktualität aus den letzten 48 Stunden:
- Ein neues Abkommen zwischen Deutschland und China zur Förderung von künstlicher Intelligenz und Datenschutz wurde unterzeichnet, um Innovationsstandorte zu stärken (Quelle: FAZ).
- China investiert verstärkt in nachhaltige Energieprojekte in Europa, wobei deutsche Unternehmen als Kooperationspartner besonders gefragt sind. Es gibt Bestrebungen zur Entwicklung von Wasserstofftechnologien und grünen Strompartnerschaften (Quelle: t3n.de).
- In den letzten Tagen wurden mehrere neue deutsch-chinesische Innovationszentren für Biotechnologie und industrielle Automation angekündigt. Diese sollen den Austausch zwischen Start-ups und Forschungseinrichtungen fördern (Quelle: TheLocal.de).