57 Prozent der Hamburgerinnen und Hamburger geben an, beim laufenden Olympia-Referendum mit „Nein“ stimmen zu wollen. Nur rund 30 Prozent sind für die Bewerbung, 13 Prozent haben sich noch nicht festgelegt. Interessanterweise war die Stimmung zu Beginn der Erhebung im Februar und März noch viel unentschiedener: Da hätten 33 Prozent gegen Olympia votiert, 24 Prozent wären dafür gewesen und bemerkenswerte 43 Prozent schwankten noch. Ein ganz schöner Rutsch, der da passiert ist.
Man fragt sich ja, warum dieser Meinungsumschwung. Laut den Forschenden um Arndt Leininger sind es vor allem finanzielle Bedenken, die das Pendel Richtung Ablehnung ausschlagen lassen. Die drohenden Kosten sprengen offenbar den Rahmen vieler Einstellungen, auch wenn Sorgen um Umwelt oder Sicherheit auch mitschwingen – aber eben nicht so gewichtig. Befürworter wiederum hoffen auf wirtschaftlichen Schub und bessere Infrastruktur; irgendwie klingt das wie das klassische Pro-Kontra bei Großprojekten. Die Umfrage spiegelt ein altes Dilemma: Will man den Glanz, muss man auch Schatten akzeptieren. Übrigens, befragt wurden 563 Personen bei der ersten und 371 bei der zweiten Welle – also überschaubar viel, aber wohl representativ genug, um Schlüsse zu ziehen.
Die jüngste repräsentative Panelstudie der Uni Hamburg ergibt: Immer mehr Hamburger lehnen eine Olympia-Bewerbung ab – die Ablehnung ist innerhalb weniger Monate sprunghaft gestiegen. Hauptkritikpunkte bleiben neben den möglichen enormen Kosten die Sorge, dass das ohnehin angespannte Wohnungs- und Mietproblem durch die Großveranstaltung verschärft werden könnte. Bedenkenswert: Neue Nachrichtenquellen berichten zudem, dass Umweltgruppen und Aktivisten zunehmend öffentlich auf die Gefahren für Naturräume durch Bauprojekte aufmerksam machen, was den Widerstand weiter zu verfestigen scheint.