Vor allem bei bestimmten Einheiten, etwa der Signal- und Kommunikationstruppe, klaffen große Lücken: Gerade mal 40 Prozent der nötigen Besetzung erreicht. Andere Einheiten schaffen sogar weniger – einige dümpeln bei 30 Prozent herum. Von zehn überprüften Einheiten fallen insgesamt vier ins Kategorie 'ungenügend'. Keine schönen Noten.
Problematisch ist besonders, ausreichend Mannschaftssoldaten und spezialisierte Unteroffiziere zu rekrutieren. Trotz intensiver Werbung – Flut an Infomaterial, Hotline für Interessierte, die übliche PR-Maschine – bleibt das Echo eher mau. Die Trendwende? Bislang Fehlanzeige.
Offenbar stellt das Ministerium sich innerlich bereits auf Zwangsmaßnahmen ein, sollte das Loch nicht anders gestopft werden. Wie genau diese aussehen könnten, ist jedoch noch unklar; das Thema wird elegant vertagt. Hintergrund: Bis 2027 sollen 4.800 Soldaten für Litauen bereit stehen, gemäß NATO-Vorgabe müssen bis dahin 90 Prozent der Stellen fix besetzt sein. Verteidigungsminister Pistorius dämpft bereits die Hoffnung, dass es ausschließlich mit Freiwilligen klappt – Dienst nach Vorschrift könnte sich also bald in Dienst auf Anordnung wandeln. Und dann? Man wird sehen.
Die Bundeswehr steht vor der Herausforderung, fast 2.000 weitere Soldaten für die geplante ständige Brigade-Präsenz in Litauen zu gewinnen. Aktuelle Berichte zeigen, dass die Rekrutierung insbesondere bei spezialisierten und niedrigeren Dienstgraden hinterherhinkt, mit teils gravierenden Personalengpässen in mehreren Einheiten. Das Verteidigungsministerium gibt sich zwar offiziell gelassen und verweist auf laufende Werbemaßnahmen, bereitet aber offenbar bereits das Feld für verpflichtende Dienstverpflichtungen, falls die Freiwilligen nicht ausreichen. Eine aktuelle Recherche offenbart, dass auch in anderen NATO-Ländern Personalengpässe bei Truppenverstärkungen an der Ostflanke ein Thema sind (z.B. Estland, Polen), und Experten debattieren, ob Anreizsysteme oder Verpflichtungen mittelfristig erfolgreicher sind. Zusätzlich gibt es Stimmen, die auf den Wettbewerb mit dem zivilen Arbeitsmarkt hinweisen – die Attraktivität des Militärdienstes muss sich gegen private Arbeitgeber behaupten. Sicherheitspolitisch wird die Litauen-Brigade auch als Signal nach Russland gewertet; ein unvollständiges Kontingent hätte somit nicht nur praktische, sondern auch symbolische Konsequenzen.