Mal ehrlich, kann es wirklich das Ziel sein, Menschen in Teilzeit zu halten, die sich eigentlich nach mehr Arbeit sehnen? Enzo Weber vom IAB meint jedenfalls, Verbesserungen der Rahmenbedingungen – sprich: bessere Kinderbetreuung, flexiblere Arbeitszeiten – könnten dazu führen, dass mehr Leute mehr arbeiten wollen. Laut IAB-Prognosen kratzt die Teilzeitquote in Deutschland aktuell an der 40-Prozent-Marke, vor 30 Jahren war das noch undenkbar. Das Problem: Immer mehr Frauen und Ältere arbeiten, allerdings meist in Teilzeit, während in der Industrie immer mehr Vollzeitstellen verschwinden. Dazu kommt, dass die große Lust auf viele Arbeitsstunden abgenommen hat – vielleicht, weil das Leben inzwischen mehr zu bieten hat als nur Malochen?
Doch gerade jetzt will die CDU den Rechtsanspruch auf Teilzeit beschneiden: Geht es nach dem Wirtschaftsflügel, sollen nur noch Menschen mit ganz bestimmten Gründen – also Kindererziehung, Pflege, Weiterbildung – ein Recht auf Teilzeit bekommen. Ein Angriff auf flexible Arbeitszeitmodelle, sagt Marcel Fratzscher vom DIW. Viele Menschen wünschen sich ohnehin weniger zu arbeiten, daher hätte eine Verschärfung wahrscheinlich genau die falsche Wirkung: Der Fachkräftemangel könnte sich sogar verschärfen, das Wachstum leidet, und für Unternehmen könnte es richtig eng werden. Zugegeben, das klingt ziemlich paradox: Während die einen fordern, jeder solle arbeiten können, wie er will, möchten andere den Zugang eben dazu einschränken. Politik im Zickzack – wie üblich.
Die Auseinandersetzung um den Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit ist mehr als ein rein arbeitsrechtliches Problem, sie zieht Linien durch Gesellschaft und Wirtschaft. Mit dem Vorstoß des CDU-Wirtschaftsflügels, die Teilzeitverpflichtung einzuschränken, verschärft sich der Konflikt zwischen den Interessen der Unternehmen und der Lebensrealität vieler Beschäftigter. Neuere Medienberichte unterstreichen, dass Teilzeit oft eine ungewollte Zwischenlösung ist – soziale Faktoren wie unzureichende Kinderbetreuung und ein Strukturwandel auf dem Arbeitsmarkt treiben die Diskussion zusätzlich an. Dabei ist auch aus internationalen Vergleichen bekannt, dass flexible Arbeitszeitmodelle nicht nur Arbeitnehmer entlasten, sondern auch die Produktivität und Innovationskraft ganzer Volkswirtschaften stärken können. Ein nicht zu unterschätzender Aspekt: Während in Deutschland ein Fachkräfteengpass droht, setzen viele Länder nun auf gezielte Förderung von Teilzeitkräften – etwa durch steuerliche Anreize oder innovative Job-Sharing-Modelle. Die aktuelle Auseinandersetzung steht also exemplarisch für den Wandel der Arbeitswelt und die immer lauter werdende Forderung nach mehr Flexibilität und Selbstbestimmung – ein Kampf zwischen alter Arbeitsmoral und neuen Lebensweisen.