Mal ehrlich, viel Optimismus verbreitet das Ifo-Institut derzeit nicht: Weil der jüngste Krieg im Nahen Osten die Energiepreise in die Höhe treibt, werden die Erwartungen für das Wachstum der deutschen Wirtschaft nach unten korrigiert – konkret um etwa 0,2 Prozentpunkte. Letztlich wird für dieses Jahr nur noch mit einem BIP-Zuwachs von 0,8 Prozent gerechnet, für 2025 immerhin ein wenig mehr: 1,2 Prozent – vorausgesetzt die Preise für Öl und Gas beruhigen sich bald.
Timo Wollmershäuser, Chef der Konjunkturforschung beim Ifo, schätzt, dass die Inflationsrate auf rund 2,5 Prozent klettern könnte, sofern sich die Energiemärkte rasch entspannen. Bleiben die Preise aber hartnäckig hoch, könnte die Teuerung bis an die Drei-Prozent-Marke heranreichen. In so einem Szenario fällt das Wachstum dann allerdings noch bescheidener aus: Gerade noch 0,6 Prozent werden für dieses Jahr erwartet, nächstes Jahr maximal 0,8 Prozent.
Ein wenig Hoffnung bleibt trotzdem: Ende 2025, so die bisherige Datenlage des Ifo, gäbe es Anzeichen für eine beginnende Erholung – sichtbar an einer verbesserten Auftragslage und mehr ausgelasteten Kapazitäten, besonders in Bau und Industrie. Überraschend dabei: Diesmal treiben nicht Exporterfolge, sondern tatsächlich heimische Faktoren wie staatliche Investitionen – etwa in Infrastruktur und Klimaprojekte – die Erholung an. Bis die Arbeitsmärkte davon profitieren, dauert es allerdings: Zwar sinkt die Arbeitslosenquote bis 2027, aber wann genau die Kehrtwende kommt, hängt ab – natürlich – davon, wie lange der Konflikt und die Unsicherheiten anhalten. Fürs Erste schrumpft die Zahl der Beschäftigten nochmal, erst im kommenden Jahr soll es wieder bergauf gehen.
Wäre das nicht alles schon trüb genug, bleibt ein Restzweifel im Raum – niemand kann sicher sein, wie rasch sich die Energiepreise stabilisieren oder ob ein weiteres politisches Beben neue Schockwellen schickt.
Die jüngsten geopolitischen Turbulenzen im Nahen Osten sorgen aus Sicht des Ifo-Instituts für einen Dämpfer in den deutschen Wachstumsprognosen. Insbesondere kurzfristige Energiepreissprünge machen sich bemerkbar, während die Inflation empfindlich auf die Entwicklungen in den Ölmärkten reagiert. Der Wirtschaftsmotor läuft momentan eher auf Sparflamme, wobei Investitionen und steigende Staatsausgaben zumindest etwas Schwung aus dem Inland bringen. Die oder das Arbeitsmarkt(geschehen) hinkt traditionell hinterher: Selbst unter günstigeren Annahmen brauchen Beschäftigung und Löhne noch Geduld, bis die Talsohle durchschritten ist.
Ergänzend: Im Vergleich zu anderen Wirtschaftsforschungsinstituten wie dem DIW und dem ifo-Institut sehen die meisten Experten derzeit eine fragile Lage: Die Industrieaufträge liegen weiterhin unter Vorkrisenniveau, der Dienstleistungssektor verlangsamt sich erneut und sowohl der Einkaufsmanagerindex als auch Geschäftsklima-Indikatoren stagnieren. Gleichzeitig mehren sich Stimmen, die vor einer zu starken Abhängigkeit Deutschlands von geopolitisch volatilen Energieimporten warnen (z.B. im Spiegel und der Zeit). Weitere geopolitische Unsicherheiten, beispielsweise infolge der US-Präsidentschaftswahlen oder der Entwicklung im Nahen Osten, könnten die Erholung zusätzlich verzögern.