Hochbegabte, Unterricht und Wohlbefinden: Karg-Stiftung unterstützt Forschungsprojekt an der Uni Leipzig
Frankfurt am Main – Im Rahmen des William Stern Programms fördert die Karg-Stiftung eine neue wissenschaftliche Untersuchung, die sich mit dem Einfluss der Unterrichtsqualität auf das Wohlbefinden hochbegabter Jugendlicher beschäftigt. Die Studie, mit dem Titel MIND, startet im Oktober 2025 und läuft bis Ende 2028 – sie wird mit rund 300.000 Euro finanziert und von der Professur für Pädagogische Psychologie an der Universität Leipzig durchgeführt. Die Forscherinnen Natalia Lüneburger und Dr. Franziska Greiner-Döchert gehen der Frage nach, wie begabte Schülerinnen und Schüler den Unterricht erleben und welche Aspekte ihre psychische Gesundheit und ihr Wohlbefinden prägen.
07.01.26 07:31 Uhr | 10 mal gelesen
Psychische Belastungen unter Jugendlichen sind in Krisenzeiten ein immer beweglicheres Thema geworden – auch in deutschen Klassenzimmern. Frühere Untersuchungen der Universität Leipzig legen nahe, dass Schule nicht nur ein Ort für Wissensvermittlung, sondern auch eine zentrale Stütze für das psychische Wohlergehen junger Menschen ist. Begabtenförderung ist dabei keine Ausnahme: Gerade bei Hochbegabten kann unter anderem eine fehlende Herausforderung oder sozialer Rückzug das Wohlbefinden dämpfen. Bislang war wenig darüber bekannt, welche Unterrichtsfaktoren für begabte Jugendliche wirklich entscheidend sind – die Forschungslücke ist spürbar. Genau hier setzt das von der Karg-Stiftung finanzierte Projekt MIND an. Ziel ist es, die Wechselwirkungen zwischen Unterrichtsgestaltung und Wohlbefinden in verschiedenen Förderkontexten herauszuarbeiten. Dabei interessieren sich die Forscherinnen etwa für Anregungen zur Denkaktivität oder auch für die Bedeutung von Unterstützung und Zugehörigkeit im Unterricht. Natalia Lüneburger, Nachwuchswissenschaftlerin in dem Projekt, betont: „Hochbegabung entfaltet sich nur, wenn Schülerinnen und Schüler sich emotional sicher fühlen und Freude am Lernen haben. Emotionale Faktoren gehören deshalb in den Mittelpunkt jeder Begabtenförderung.“ Mit MIND will das William Stern Programm eine Brücke schlagen: Von der empirischen Forschung zur verbesserten Praxis – damit Schule für Hochbegabte mehr ist als eine Talentschmiede, sondern auch ein Wohlfühlraum. Die Ergebnisse sollen Perspektiven für eine gerechtere Bildungslandschaft liefern und Lehrkräften Hinweise geben, wie sie gezielter auf die Bedürfnisse Hochbegabter eingehen können.
Das MIND-Projekt an der Universität Leipzig widmet sich der bislang wenig beleuchteten Frage, wie sich Unterrichtsqualität auf das Wohlbefinden und die psychische Gesundheit hochbegabter Jugendlicher auswirkt. Finanziert von der Karg-Stiftung, analysieren die Forscherinnen die Bedingungen, unter denen Hochbegabte Schule als förderlich oder belastend erleben – zum Beispiel hinsichtlich der geistigen Anregung oder des sozialen Rückhalts im Klassenzimmer. Ziel des Projekts ist es, nicht nur akademische Theorien voranzutreiben, sondern auch Impulse für eine nachhaltigere Begabtenförderung in Schulen zu liefern. Ergänzende aktuelle Berichte thematisieren einen allgemeinen Anstieg von psychischen Belastungen bei Jugendlichen seit der Corona-Pandemie und fragen nach mehr gesellschaftlicher Aufmerksamkeit für mentale Gesundheit (laut taz und Süddeutsche Zeitung). Darüber hinaus gibt es neue politische Diskussionen rund um Chancengleichheit im Bildungssystem, wie die FAZ und Zeit berichten, wobei eine verstärkte Förderung individueller Potenziale als zentraler Baustein gilt. Noch ist die konkrete Umsetzung solcher Forschungsergebnisse jedoch in deutschen Schulen ein großes, offenes Feld.