Ifo-Chef Fuest: Tankrabatt bringt mehr Schaden als Nutzen

Clemens Fuest, Präsident des Ifo-Instituts, warnt davor, mit einem Tankrabatt künstlich in den Markt einzugreifen. Seiner Ansicht nach wäre das derzeit sogar kontraproduktiv.

heute 13:38 Uhr | 3 mal gelesen

Ein Anstieg der Spritpreise – unangenehm, aber ein wirkungsvolles Signal. Genau das betont Clemens Fuest: Es zeigt, dass Öl knapper wird und zwingt uns gewissermaßen dazu, das eigene Fahrverhalten zu überdenken. Ein staatlicher Tankrabatt? Das sieht er kritisch. Denn damit würde das so wichtige Preissignal beiseitegefegt. Das Ergebnis: Weniger Anreiz, Sprit zu sparen – mit negativen Folgen, die sich letztlich für die deutsche Wirtschaft rächen könnten. Diese Debatte brennt gerade wieder auf, nachdem Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze das Thema Tankrabatt als Reaktion auf die erneut steigenden Kraftstoffpreise ins Gespräch brachte. Zur Erinnerung: Bereits 2022, direkt nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs, gab es einen solchen Rabatt, der allerdings heftig diskutiert und von vielen Experten skeptisch gesehen wurde. Und ehrlich: Es ist schon ein seltsamer Reflex. Preise steigen – und sofort taucht der Ruf nach Gegenmaßnahmen auf. Sinnvoll? Darüber lässt sich streiten.

Clemens Fuest, der Chef des Münchner Ifo-Instituts, stellt sich klar gegen die Wiedereinführung eines Tankrabatts. Aus wirtschaftlicher Sicht sei es essenziell, dass Autofahrer den Anstieg der Benzinpreise wahrnehmen – so entstehe der notwendige Anreiz, sparsamer zu handeln und gegebenenfalls Alternativen zu nutzen, etwa den öffentlichen Nahverkehr. In den letzten Tagen hat sich die Debatte um Maßnahmen gegen steigende Spritpreise verschärft, befeuert durch die jüngsten weltweiten Ölmarkt-Turbulenzen und politische Initiativen wie jene von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze. Laut aktuellen Medienberichten sehen auch viele Fachleute das Risiko, dass eine Preissenkung durch den Staat nicht bei den Verbrauchern landet oder sogar kontraproduktiv wirkt, indem sie den Anreiz zum Energiesparen untergräbt. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass die lange Subventionierung zwar kurzfristig Entlastung brachte, jedoch keinerlei nachhaltigen Lenkungseffekt hatte und mit erheblichen Kosten für die Staatskasse einherging. Die Erfahrung aus dem Jahr 2022 zeigte darüber hinaus, dass manche Mineralölkonzerne einen Teil des Rabatts einbehielten, was die Wirksamkeit weiter reduzierte.

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