IG Metall fordert Einbindung aller deutschen Werften für neue Fregatten

Nach dem überraschenden Stopp des F-126-Fregattenprojekts drängt die IG Metall auf eine breit angelegte Lösung: Beim Alternativplan für acht Meko-200-Fregatten durch TKMS sollen aus Sicht der Gewerkschaft sämtliche deutschen Werften und Ausrüster – inklusive der inzwischen von Rheinmetall übernommenen NVL – beteiligt werden.

heute 21:42 Uhr | 2 mal gelesen

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hat den Bau des F-126-Fregattentyps überraschend auf Eis gelegt und will stattdessen acht kleinere Meko-200-Klasse-Schiffe durch TKMS bauen lassen. Die IG Metall zeigt dafür ein gewisses Verständnis (Pistorius zieht aus gewisser Notwendigkeit die Reißleine), mahnt aber nun vehement, dass TKMS die gesamte hiesige Industrie mit ins Boot holen müsse. Besonders solle darauf geachtet werden, dass auch die Werft, ehemals Naval Vessels Lürssen und jetzt Teil von Rheinmetall, an Bord bleibt: Deutschlands komplexe Zuliefererlandschaft dürfe nicht abgehängt werden. Immerhin hat der Bund bereits 2,3 Milliarden Euro in die F-126-Vorbereitung gesteckt – all die bestellten Vorprodukte und Materialien dürfen definitiv nicht einfach verpuffen, sondern sollten in irgendeiner Form sinnvoll genutzt werden. Dieser Schwenk eröffnet Fragen: Wie steht’s um die bisherigen Zulieferer, die oft schon Jahre an Vorarbeiten investiert haben? Die IG Metall pocht darauf, dass der Marineschiffbau laut SVI ja ausdrücklich „Schlüsseltechnologie“ ist – das sollte sich offenbar auch konkret in Beschäftigung, Auftragsvergabe und industrieller Wertschöpfung zeigen. Übrigens bekam die Rheinmetall-Aktie nach Bekanntwerden des Kurswechsels einen deutlichen Dämpfer. Vielleicht kein Wunder: Solche politischen Kehrtwenden erzeugen eben auch Unsicherheit – auf den Werften, in den Chefetagen und an der Börse.

Nach der überraschenden Absage des F-126-Projekts stehen nicht nur etliche Milliarden Euro und viel investierte Arbeit auf dem Spiel. Die IG Metall setzt sich jetzt für eine möglichst breite Einbindung der deutschen Schiffbauindustrie beim alternativen Fregattenbau ein, um Arbeitsplätze und Know-how im Land zu halten. Der Wechsel zu den Meko-200-Fregatten birgt zwar Chancen für eine stärkere Industriebeteiligung, löst aber auch Unsicherheiten bei Zulieferern und Beschäftigten aus – die politische und wirtschaftliche Tragweite reicht dabei weit über den Werfthafen hinaus. Am Donnerstag nannte das Verteidigungsministerium als Grund für die Entscheidung massive Kostensteigerungen und Zeitverzögerungen beim F-126-Projekt. Laut Medienberichten schwenkt Pistorius nun auf ein vor allem im internationalen Vergleich bewährtes Fregattenmodell, um die Einsatzbereitschaft der Marine schneller zu sichern. Ein weiteres Thema, das zunehmend diskutiert wird: Inwiefern solche industriepolitischen Großaufträge die Krisenfestigkeit und Unabhängigkeit des Landes stärken können, bleibt abzuwarten.

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