Integrationsrat widerspricht Merz: Syrien-Rückkehr als Irrweg?

Winfried Kluth, Chef des Sachverständigenrats für Integration und Migration, äußert erhebliche Zweifel an Friedrich Merz’ Vorstellungen zur Heimkehr syrischer Geflüchteter.

heute 12:25 Uhr | 4 mal gelesen

Die von CDU-Chef Friedrich Merz unlängst formulierten Vorschläge zur umfassenden Rückführung syrischer Geflüchteter stoßen bei Winfried Kluth auf wenig Gegenliebe. Merz hatte gemeinsam mit dem syrischen Präsidenten Ahmed al-Scharaa die Erwartung geäußert, dass innerhalb von drei Jahren etwa 80 Prozent der in Deutschland lebenden Syrer zurückkehren sollten. Kluth, der zum Sachverständigenrat für Integration und Migration gehört, sieht darin einen problematischen Vorstoß. 'Solche Ankündigungen schüren Ängste und schaffen Unsicherheit bei vielen Syrern hierzulande – das hilft weder uns noch ihnen', ließ er gegenüber dem Handelsblatt verlauten. Rückkehr sei grundsätzlich ein legitimer Gedanke, vorausgesetzt, es herrsche tatsächlich Sicherheit und Stabilität in Syrien. Zurzeit allerdings – so Kluth weiter – sei die Lage alles andere als eindeutig. Im Gegenteil: Insbesondere in Nord- und Ostsyrien gebe es Berichte über fortdauernde Kämpfe und Gewalt; die wirtschaftliche und soziale Infrastruktur bleibe zudem marode. 'Viele Straßen sind kaum befahrbar, Wohnraum ist knapp, und von Arbeitsplätzen brauchen wir gar nicht erst sprechen', sagt Kluth und gibt zu bedenken, dass diese Umstände einen Neuanfang immens erschweren. Darüber hinaus seien die Bedürfnisse der syrischen Community in Deutschland und die Anforderungen des hiesigen Arbeitsmarkts zu berücksichtigen. 'Unzählige Syrerinnen und Syrer haben hier Fuß gefasst, oftmals arbeiten sie oder ihre Kinder besuchen deutsche Schulen – eine überhastete Rückführung würde Risiken bergen, die bislang wenig bedacht wurden.' Kurz: Die Debatte ist alles andere als entschieden.

Kluth verurteilt die formulierten Rückkehrabsichten von Merz als voreilig und realitätsfern, weil sie unter den Syrern in Deutschland für große Verunsicherung sorgen und die tatsächlichen Verhältnisse vor Ort ignorieren. Die Lage in Syrien ist noch immer sehr instabil; anhaltende Gewalt, Zerstörung und ein Mangel an wirtschaftlicher Perspektive machen eine Heimkehr für viele schlicht unmöglich. Studien und Einschätzungen aus der aktuellen Berichterstattung zeigen zudem: Die Integrationsleistungen syrischer Geflüchteter sind oftmals hoch, etwa bei der Arbeitsmarktintegration oder im Bildungssystem. Jüngste Artikel renommierter deutscher Medien betonen, dass Abschiebungen unter derzeitigen Bedingungen als unmenschlich gelten und sich Expert:innen weiterhin skeptisch äußern. Ferner wird in der öffentlichen Debatte der verbindende Aspekt hervorgehoben, dass viele Syrer mittlerweile untrennbar zur deutschen Gesellschaft gehören und insbesondere in Mangelberufen gebraucht werden; eine kurzfristige Rückführung würde auch wirtschaftliche Probleme nach sich ziehen.

Schlagwort aus diesem Artikel