Internationaler Frauentag: SOS-Kinderdörfer drängen auf besseren Schutz von Schwangeren und jungen Müttern

München – Tag für Tag verlieren mehr als 700 Frauen ihr Leben während Schwangerschaft oder Geburt. Besonders dramatisch ist die Situation in Ländern mit geringem oder mittlerem Einkommen – dort ereignen sich rund 90 Prozent dieser Todesfälle. Mit einer besseren, verlässlichen Gesundheitsversorgung wären viele Verluste vermeidbar. Anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März kritisieren die SOS-Kinderdörfer, dass Schwangere im globalen Süden nach wie vor unterversorgt bleiben. Gründe sind neben Armut und instabilen Gesundheitssystemen auch tief verwurzelte patriarchale Strukturen. "Um die Gesundheit von Müttern und Kindern nachhaltig zu sichern, braucht es widerstandsfähigere Gesundheitssysteme", fordert Boris Breyer, Pressesprecher der SOS-Kinderdörfer weltweit.

heute 05:50 Uhr | 2 mal gelesen

Mütter, die im globalen Süden schwanger werden, stecken in einer Art unsichtbarer Falle: Ihre Bedürfnisse spielen oft eine Nebenrolle in Gesellschaften, die ohnehin mit knappen Ressourcen und geschwächten Gesundheitssystemen kämpfen. Die hohen Todesraten werden so zu einem stummen Indikator für tief sitzende Benachteiligung. Zum Beispiel sterben weltweit noch immer jedes Jahr zehntausende Frauen an Bluthochdruck-Erkrankungen wie (Prä-)Eklampsie – für viele ein Begriff, für zu viele eine tödliche Realität. Mit einfachen medizinischen Mitteln wie Magnesiumsulfat ließe sich das Risiko halbieren. Doch an Zugang fehlt es. Armut, mangelnde Infrastruktur und häufig Kriege erschweren den Zugang zu notwendiger medizinischer Versorgung. Besonders alarmierend ist die Situation von minderjährigen Schwangeren: Laut WHO beziehen sich knapp 10 Prozent aller Geburten auf Mädchen, die eigentlich noch Kinder sind. Sie werden oft in Ehen gedrängt, haben kaum ein Mitspracherecht bei der Familienplanung und kommen selten in den Genuss von Aufklärung oder Verhütung. Wo der Krieg wütet, etwa im Sudan oder Südsudan, ist die Lage besonders schlimm – Gesundheitseinrichtungen werden gezielt zerstört, humanitäre Hilfe kann häufig nicht zu den Betroffenen. Ein weiterer, beunruhigender Trend: Große Geberstaaten wie die USA oder Großbritannien verringern zunehmend ihr finanzielles Engagement für globale Gesundheitsthemen. Die SOS-Kinderdörfer versuchen, diese Lücken zu füllen: Sie öffnen Mutter-Kind-Kliniken, entsenden mobile Gesundheitsteams, versorgen Familien nicht nur mit Medikamenten, sondern auch mit Wissen.

Die globale Müttersterblichkeit verharrt auf schockierend hohem Niveau, vor allem in Ländern mit schwachen Gesundheitssystemen, Armut und patriarchalen Gesellschaften. Obwohl viele Todesfälle durch einfache medizinische Maßnahmen verhindert werden könnten, bleiben Frauen und junge Mütter oft ohne ärztliche Betreuung, unter anderem wegen Ressourcenknappheit, Krieg und fehlender Familienplanung. Die finanzielle Unterstützung für Gesundheitsdienste sinkt international, so dass NGOs wie die SOS-Kinderdörfer zunehmend in die Bresche springen, mit Aufklärungsarbeit, mobiler Gesundheitsversorgung und direkter Hilfe vor Ort. Ergänzend dazu zeigen aktuelle Recherchen, dass die Weltgemeinschaft die UN-Ziele zur Reduzierung der Müttersterblichkeit immer noch nicht erreicht hat. Initiativen für Mädchenrechte, Sexualaufklärung und Zugang zu Verhütungsmitteln gelten als Schlüsselfaktoren, werden jedoch etwa in Subsahara-Afrika und Afghanistan durch politische und gesellschaftliche Widerstände massiv ausgebremst. Studien der UNFPA unterstreichen zudem, dass Bildung und eine Stärkung wirtschaftlicher Unabhängigkeit von Mädchen signifikante Fortschritte in der Mutter-Kind-Gesundheit bewirken können.

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