Joachim Löw reizt europäische Elite – Ambitionen abseits der Bundesliga

Ex-Bundestrainer Löw denkt offen über einen Job bei einem internationalen Topklub nach – die Bundesliga gibt ihm hingegen wenig.

heute 13:59 Uhr | 4 mal gelesen

Joachim Löw hat, etwas lakonisch, durchblicken lassen, dass ihn die Aussicht auf regelmäßige Bundesliga-Duelle wenig packt. "Der Reiz ist nicht da, jedes Wochenende in der Bundesliga an der Linie zu stehen", stellte er im Gespräch mit der Wochenzeitung ‚Die Zeit‘ klar. Was ihn reizen würde? Ein Verein, der das Zeug dazu hat, dauerhaft europäische Maßstäbe zu setzen. Das ist es, woran er Spaß hätte – ein langfristiges Projekt, nicht die Jagd nach dem schnellen Erfolg. Interessant fand ich, wie kritisch Löw mit dem deutschen Sportumfeld ins Gericht geht: „Die meisten Clubs denken maximal ein paar Monate voraus“, monierte er – kaum einer entwickle gemeinsam mit dem Trainer eine mittel- oder langfristige Idee. Stattdessen gehe es dauernd um das nächste Ziel: aufsteigen, retten, irgendwie durchkommen. Und was die viel beschworenen „deutschen Tugenden“ betrifft – kämpfen, malochen, Zähne zusammenbeißen: Löw findet, dieses ewige Mantra verfängt nicht. Damit ist vielleicht ein schmuckloses 1:0 drin, aber einen großen Wurf landet man so kaum. Nach Pleiten wird in Deutschland stets die Defensive kritisiert. Aber, so Löw: „Ich will lieber hören: Warum konnten wir das Spiel nicht kontrollieren, warum fehlten uns die Lösungen, um einen Gegner dominieren zu können?“ Das, sagt er mit Nachdruck, ist der Schlüssel zu echtem Erfolg.

Joachim Löw spricht sich in einem aktuellen Interview gegen eine baldige Rückkehr als Trainer in die Bundesliga aus und hat stattdessen die Ambition, mit einem international ausgerichteten Klub nachhaltige Erfolge zu feiern. Er bemängelt eine fehlende langfristige Strategie in vielen deutschen Vereinen und kritisiert, dass oftmals der kurzfristige Erfolg im Vordergrund steht, statt eine Vision über Jahre hinweg zu entwickeln. Löw distanziert sich deutlich vom Fokus auf sogenannte deutsche Tugenden wie Kampfgeist oder Defensivleistung und plädiert vielmehr dafür, kreative Lösungen und eine Spielidee zu fördern, um dauerhaft auf höchstem europäischem Niveau mithalten zu können. Ergänzend zu Löws Äußerungen berichtete in den letzten 24 Stunden beispielsweise die FAZ, dass der Transfermarkt für Trainer international im Sommer 2024 besonders in Bewegung geraten ist: Mehrere europäische Spitzenvereine, darunter Juventus Turin und Manchester United, sondieren neue Trainerlösungen mit internationaler Erfahrung. In der Süddeutschen Zeitung wurde diskutiert, dass der Ruf nach Cheftrainern mit langfristigen Visionen wächst, doch der finanzielle und öffentliche Druck die Umsetzung erschwert. Und laut einem aktuellen Bericht der ZEIT sind Trainer, die aktiv gegen nationale Klischees argumentieren und europäische Spielideen vertreten, bei manchen Vereinen zwar gefragt, werden aber oft noch skeptisch betrachtet.

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