Leopoldina warnt vor EU-Plänen: Pestizid-Zulassungen dürfen nicht entfristet werden

Die Akademie der Wissenschaften Leopoldina sieht die geplanten Lockerungen der EU für Pflanzenschutzmittel kritisch - sie könnten Umwelt und Gesundheit gefährden.

heute 14:37 Uhr | 2 mal gelesen

Wenn es nach der Leopoldina ginge, wäre ein Verzicht auf die regelmäßige Neubewertung von Pestizidwirkstoffen ein Bärendienst für Verbraucher*innen und Umwelt. In ihrem am Dienstag veröffentlichten Papier stellen die Wissenschaftler*innen klar: Die bislang zehnjährige Befristung zwingt sowohl Unternehmen als auch Behörden zu einem lernenden, zukunftsoffenen Umgang mit Risiken. Viele Stoffe verschwanden erst durch solche Überprüfungen vom Markt – weil neue Erkenntnisse auftauchten, oder weil Firmen die aufwendige Neuzulassung scheuten. Würde die EU auf eine Dauerzulassung umstellen, könnten fragwürdige oder veraltete Mittel viel länger eingesetzt werden, sagen die Autor*innen. Und: Die erwarteten Innovationsschübe? Die kämen wohl eher nicht – im Gegenteil, ohne Neubewertungen gäbe es weniger Anlass zur Weiterentwicklung und Prüfung. Die Leopoldina rät der deutschen Bundesregierung, auf EU-Ebene für die Beibehaltung dieser Frist einzutreten, wobei an eine Risikostaffelung nach Gefahrenpotenzial gedacht werden kann. Unbedenkliche Substanzen könnten so Ausnahmen erhalten. Ergänzend schlagen sie vor, durch Umweltmonitoring im Feld – nicht nur im Labor – gelassener und realitätsnaher zu prüfen, ob Mittel problematisch sind. Streitpunkt bleibt auch die Abverkaufsfrist: Die EU möchte, dass Restbestände nicht wie bisher 18 Monate, sondern bis zu drei Jahre aufgebraucht werden können. Nach Ansicht der Leopoldina ist das heikel: Bereits als riskant eingestufte Mittel würden so noch länger auf Feldern und Tellern landen.

Die Leopoldina stellt klar, dass dauerhafte Zulassungen für Pestizide die Kontrolle erschweren und Risiken für Umwelt wie Gesundheit verlängern könnten. Die bisherigen Erfahrungen belegen, dass die alle zehn Jahre stattfindende Neubewertung zahlreiche Mittel aus guten Gründen aus dem Markt drängte. Umweltverbände begrüßen die Mahnung der Wissenschaftler ausdrücklich, da Pestizidregulierung ohnehin schon ein energiegeladenes Thema zwischen Landwirtschaft, Industrie und öffentlicher Gesundheit ist. Seit Erscheinen des Leopoldina-Papiers hat die Debatte Fahrt aufgenommen und Medien berichten von wachsender Skepsis gegenüber den EU-Lockerungen, während Bauernverbände eine praxistauglichere, aber auch sichere Regulierung fordern. Nicht unwichtig: Auch auf UN- und EFSA-Ebene wird über eine stärkere Verknüpfung von Marktralität und kontinuierlicher Umweltüberwachung nachgedacht.

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