"Man kann nicht alles losgelöst voneinander betrachten. Die Entwicklungen davor spielen eine erhebliche Rolle", sagte Klöckner. Für sie ist Israel, das sie als einzige Demokratie im Nahen Osten bezeichnet, eingekesselt von Ländern, in denen Feindseligkeit gegenüber Israel und dem 'Westen' tief verankert sei. Sie erhebt Vorwürfe gegen den Iran: Dieser habe, wie sie sagt, nicht nur weltweit Terrorgruppen unterstützt, sondern auch eine Verbindung zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Bezüglich der viel diskutierten Frage, ob die Militärschläge völkerrechtlich vertretbar seien, zeigte sie sich pragmatisch: "Völkerrecht ist essenziell, aber es darf nicht zum Feigenblatt für Terroristen werden, die die eigene Bevölkerung unterdrücken und Frauen entrechten." So weit ihre Überlegung. Sie findet es bedenklich, wann und von wem Völkerrecht ins Feld geführt werde: "Was mir eher Sorgen macht, ist das, was hierzulande passiert – an Universitäten etwa, wo Antisemitismus ganz verschiedene Formen annimmt." Dieser sei keineswegs nur ein rechtsextremes Problem, sondern begegne uns auch in anderen politischen und religiösen Kontexten. "Da brauchen wir dringend mehr Bereitschaft, hinzuschauen und einzugreifen."
Zuletzt haben sich nicht nur Juristinnen und Juristen aus Deutschland, sondern auch Politikerinnen und Politiker anderer Parteien – etwa aus der SPD – sowie UN-Generalsekretär Antonio Guterres, skeptisch zu einer völkerrechtlichen Legitimierung des Militärschlags geäußert.
Mit einiger Vehemenz argumentiert Julia Klöckner für die Notwendigkeit des Militärschlags gegen den Iran – und relativiert völkerrechtliche Bedenken mit Verweis auf die Vorgeschichte der Eskalation und die Bedrohung Israels. Sie verweist dabei besonders auf die komplexe Verantwortung des Iran in Syrien und der ganzen Region sowie auf die Sorge, Deutschland habe seine Hausaufgaben im Kampf gegen Antisemitismus nicht gemacht. Aktuelle internationale Einschätzungen, etwa von Rechtsgelehrten, der SPD-Führung wie auch von UN-Generalsekretär Antonio Guterres, sehen das Vorgehen hingegen äußerst kritisch und bestreiten eine Legitimation nach Völkerrecht. In den letzten 24 Stunden gab es zudem Diskussionen um die Rolle Deutschlands in der Vermittlung zwischen den Konfliktparteien. Laut Berichten der Süddeutschen befürchtet die Bundesregierung eine weitere Eskalation im Nahen Osten, während israelische Stimmen auf "Verteidigungsnotstand" pochen und Stimmen aus Teheran eine gezielte Antwort ankündigen. (Mehr dazu beispielsweise auf der Süddeutsche Zeitung). Weiter berichten Zeit und Die Welt von kontroversen Bewertungen im UN-Sicherheitsrat, der keine gemeinsame Linie gefunden hat (siehe Die Zeit und Die Welt).