Was bleibt übrig vom guten alten Neujahrsvorsatz, sich weniger süß zu ernähren? Nicht viel, wenn man Anja Roths Worte Glauben schenken mag. Sie verweist auf die Sweet-Tooth-Studie, eine der bislang gründlichsten Untersuchungen zum Thema, und zieht daraus: Süß bleibt nun mal süß – jedenfalls was die Vorliebe und Wahrnehmung bei Erwachsenen betrifft. 180 Menschen, drei Gruppen, sechs Monate verschiedene Süß-Level – von zuckerarm über mittel bis hin zu richtig süß (inklusive synthetischer Ersatzstoffe). Jeweils die Hälfte der Mahlzeiten streng vorgegeben, Kontrollprotokolle, Urinproben – alles für die Wissenschaft. Und dann: nichts. Weder nahm die Lust auf Süßes ab, noch fanden die Teilnehmenden plötzlich bittere Speisen unwiderstehlich. Auch beim Blick auf das Körpergewicht, die Kalorienbilanz oder Stoffwechselwerte wie Blutzucker, Insulin oder Cholesterin: keine nennenswerten Unterschiede. Sogar ein halbes Jahr später tendierte jeder zurück zu seinem angestammten Süßkonsum – als hätte es nie eine Intervention gegeben. Fast schon wie eine Art Geschmacks-Schicksal, könnte man sagen. Für die Verfechter der These 'Weniger süß = mehr Gesundheit' ist das eine kalte Dusche. Statt also zwanghaft den Zucker zu kappen, müsste man vielleicht woanders nach den Ursachen für Übergewicht suchen. Mehr zur Studie gibt’s beim Süßstoffverband: https://suessstoff-verband.info/blog/mythos-der-suesspraegung-wissenschaftlich-widerlegt/.
Kurz gesagt: Erwachsene verlieren ihre Lust auf Süßes nicht, selbst wenn sie monatelang möglichst wenig Zucker oder Süßstoffe zu sich nehmen. Das legen die Ergebnisse der Sweet Tooth-Trial-Studie nahe. Weder Geschmacksvorliebe, Gewicht noch Blutzucker, Insulin oder Blutwerte wurden bei 180 gesunden Probanden durch variierende Zuckermengen verändert – ein Befund, der gängige Ernährungsratschläge auf den Prüfstand stellt. Im internationalen Vergleich fehlen aktuell ähnlich angelegte, groß überzeugende Langzeituntersuchungen, viele kleinere Studien hatten widersprüchliche Ergebnisse gezeigt. Auch die Debatte um Zucker und Übergewicht bleibt damit komplexer als mancher Ratgeber uns glauben lässt: Zwar ist ein zu hoher Zuckerkonsum unbestritten mit Gesundheitsrisiken verbunden, doch der Ursprung individueller Vorlieben und der Einfluss einzelner Makronährstoffe bleiben umstritten – und von Person zu Person unterschiedlich. Als Impuls bekommt der Leser mit: Der Vorsatz, weniger Süßes essen zu wollen, bleibt zwar ehrbar, doch wer Gewicht verlieren will, sollte eher auf weniger Kalorien als speziell auf weniger Süßes achten.