Es ist keine Euphorie, aber immerhin ein Hauch mehr Zuversicht: Selbständige in Deutschland schauen nun etwas weniger finster auf die nächsten Monate, auch wenn sie ihre aktuelle Lage eher schlechter als zuvor einschätzen. Ifo-Expertin Katrin Demmelhuber mahnt zur Realität: "Ein wirklicher Durchbruch ist das noch lange nicht." Die Richtung weise zwar endlich nach oben, doch von einer echten Erholung ist man noch ein ganzes Stück entfernt – fast so, als würde nach monatelangem Regen kurz die Sonne durchblitzen, bevor ein weiteres Gewitter zieht.
Interessant: Es gibt eine gewisse Eigendynamik zwischen den Berufen. Insbesondere Dienstleister blicken skeptischer auf die Zukunft, finden die Gegenwart aber nicht mehr so katastrophal. Einzelhändler wiederum hoffen etwas mehr auf bessere Zeiten, sind aber mit dem Ist-Zustand unzufriedener als zuletzt – ein paradoxer Wechsel der Gefühle.
Ein anderes, sehr reales Problem: Die Geldbeschaffung. Offenbar ringen immer mehr Selbständige beim Versuch, einen Kredit zu ergattern, mit ihrer Bank – fast jeder Zweite (44,8 Prozent) berichtet mittlerweile von Schwierigkeiten, das waren zuletzt noch deutlich weniger. Auch wenn die Nachfrage nach Krediten niedrig bleibt, verschärft sich die Lage speziell im Einzelhandel: Hier hat sich der Anteil mit Finanzierungsproblemen innerhalb von drei Monaten massiv erhöht, und nicht wenige trauen sich überhaupt erst gar nicht, nach Geld zu fragen. Demmelhuber bringt es auf den Punkt: Für kleine Geschäfte wird die Luft merklich dünner.
Der neue Bericht des Ifo-Instituts zeigt: Trotz einer leichten Aufhellung im Geschäftsklima verharren die kleinen Selbständigen und Soloselbständigen in einer schwierigen Lage. Besonders hart trifft es den Einzelhandel, wo der Zugang zu Krediten weiter erschwert ist – unter anderem, weil Banken aufgrund konjunktureller Unsicherheiten zurückhaltender agieren. Gleichzeitig können sich viele Selbständige nicht zur Kreditaufnahme entschließen, was neben der Sorge um Rückzahlung auch mit den gestiegenen Zinsen und strengeren Vergabekriterien zusammenhängt. Weiter verschärft wird die Situation von anhaltenden Kriseneffekten – Nachwirkungen der Corona-Pandemie, hohe Energiekosten und Inflationssorgen lasten nach wie vor auf der Branche. Zudem gibt es Forderungen aus Verbänden, den Zugang zu Förderungen und Finanzhilfen weniger bürokratisch zu gestalten, um die nötigen Impulse für einen Aufschwung zu geben.