Kulturelle Bildung von Anfang an: Neue Impulse für den Ganztag

In Berlin rollt eine Debatte an, die Schulpolitik über bloße Betreuungsfragen hinausdenkt: Es geht längst nicht mehr nur darum, genug Ganztagsplätze zu schaffen. Viel spannender bleibt die Frage, wie Schulen wirklich zu Orten werden, an denen Kinder gemeinsam wachsen – mit Kunst, Musik, Theater und Co. Akteur*innen verschiedenster Couleur diskutierten auf einer Zukunftskonferenz leidenschaftlich darüber, warum kulturelle Teilhabe zum festen Bestandteil des schulischen Alltags zählen sollte.

heute 11:49 Uhr | 3 mal gelesen

"Klar, das packen wir gemeinsam!" – Mit dieser aufmunternden Losung entließ Poetry Slammerin Meike Harms die Teilnehmenden der Zukunftskonferenz Ganztag am 2. und 3. Juni 2026 in Berlin in ihren Alltag zurück. Etwa 120 engagierte Köpfe steckten zwei Tage lang die Köpfe zusammen und fragten sich: Wie erreicht Ganztagsbildung endlich das, was sie verspricht – Chancengleichheit, echte Teilhabe und vor allem Freude am Lernen für jedes Kind? Kulturelle Bildung kam dabei immer wieder in den Fokus.

Unter dem Motto "Ziele verbinden, Zukunft machen – Kulturelle Bildung im Ganztag zwischen Pflicht, Miteinander und Praxis" saßen Leute aus Verwaltungen, Bildungsministerien, Schulen, gemeinnützigen Organisationen und – das ist nicht unwichtig – auch Eltern, Schülerinnen und Schüler an einem Tisch. Frische Perspektiven trafen auf bewährtes Knowhow, was fast schon zu viel Energie für einen Tag war.

Kunst und Kultur: Mehr als Zeitvertreib am Nachmittag

Eins kristallisierte sich im Laufe der Gespräche klar heraus: Wenn mehr Bildungsgerechtigkeit das Ziel ist, reicht ein Mehr an Betreuung bei weitem nicht. Vielmehr muss der Ganztag als Ort zum Leben und Wachsen gedacht werden – mit echter Mitgestaltungsmöglichkeit, Platz für Kreativität und Raum für’s Anderssein. "Nur wenn Sport, Theater, Musik & Co. zusammen auftreten, entstehen echte Gemeinschaftserlebnisse," so Ute Barthel von der Deutschen Sportjugend e.V.

Die Teilnehmenden blickten zurück auf die Entwicklung des Ganztags, beurteilten seine gegenwärtige Praxis und schraubten an gemeinsamen Vorstellungen für eine bessere Zukunft. Im Zentrum standen unter anderem die Hoffnung auf starke regionale Netzwerke, klare Qualitätsstandards, faire Finanzierung – und die tiefe Überzeugung, dass ohne verbindliche Strukturen alles bloßer Aktionismus bleibt. Das brachte Birgit Bischer vom Träger PaedAktiv knackig auf den Punkt: "Es braucht Organisation, nicht nur gute Laune. Vor allem aber echte Qualitätskriterien für Kunst und Kultur im Ganztag."

Am zweiten Tag der Konferenz rückte die konkrete Maßnahmenplanung in den Mittelpunkt. Allen wurde klar: Patchwork-Projekte reichen nicht – gebraucht werden tragfähige Strukturen auf allen Ebenen, ein gemeinsames Wertefundament und gesicherte Mittel. Und vor allem eine Haltung, die das einzelne Kind in den Mittelpunkt rückt und Schule, Jugendhilfe, Kultur und Politik ins Gespräch bringt. Ulrich Diekmann, Sozialwerk für Bildung und Jugend Olsberg, sprach aus, was viele dachten: "Mehr Austausch, mehr zuhören! Am besten holt man wenigstens einmal im Jahr alle an einen Tisch – denn keiner reißt es allein."

Die Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ) will die Ergebnisse nutzen, um ihre Positionen weiterzuentwickeln und sich in politische Diskussionen einzubringen. Die Vision bleibt: Kulturelle Bildung soll als selbstverständlicher Bestandteil eines zukunftsfesten Ganztags fest verankert und langfristig gesichert sein.

Hintergrund: Ganztag wird Pflichtprogramm – aber was steckt dahinter?

Ab August 2026 greift in Deutschland ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Erstklässler*innen – schrittweise bis 2029 für die ganze Grundschule. Das heißt: Acht Stunden täglich Betreuung und auch in den Ferien gibt’s ein Angebot (mit Ausnahmen, etwa wenn mal für maximal vier Wochen geschlossen ist).

Die BKJ im Kurzportrait

Die Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung ist bundesweiter Dachverband für kulturelle Bildung in Deutschland. Ihr Ziel: Möglichst jedem jungen Menschen kreative und künstlerische Erlebnisse zugänglich machen, Engagement stärken und die Zusammenarbeit verschiedener Bereiche von Schule bis Kultur fördern. Die BKJ setzt Akzente, treibt Ideen an und mischt in Debatten zu Bildungsgerechtigkeit kräftig mit.

Pressekontakt:
Ann-Christine Pilder
Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ).
E-Mail: redaktion@bkj.de, Tel.: 030 48 48 60-18
www.bkj.de

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Die Diskussion um den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung dreht sich zunehmend um die Frage, wie Kinder im Ganztag nicht nur betreut, sondern auch ganzheitlich gefördert werden. Insbesondere kulturelle Bildung wird dabei als Schlüssel für Chancengleichheit und Selbstwirksamkeit betrachtet, weil sie kreative Kompetenzen stärkt sowie die soziale Teilhabe und individuelle Entwicklung fördert – nicht zu unterschätzen in Zeiten, in denen gesellschaftliche Spaltung und Bildungsungleichheit wachsen. Experten fordern verbindliche Qualitätsstandards, verlässliche Finanzierung und ernsthafte Einbindung kultureller Akteure in den Bildungsalltag – andernfalls droht der Ganztag zum bloßen Verwaltungsakt zu verkommen. Erweiterte Recherche: In den letzten Tagen wurde deutschlandweit erneut über die Herausforderungen beim Ausbau des Ganztagsangebots diskutiert. Laut Medien geht dabei die Debatte deutlich über bauliche und personelle Engpässe hinaus. Vielmehr steht die Frage, wie Bildung sozial gerecht organisiert werden kann – und welche Rolle außerschulische Lernorte, wie Kulturzentren oder Sportvereine, langfristig spielen, im Fokus. Auch das Potenzial digitaler Tools zur Vermittlung kultureller Bildung rückt zunehmend ins Rampenlicht.

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