Schwerpunkt: Wandel bei globalen Lieferketten
Die aktuelle BearingPoint-Analyse, gestützt auf eine Befragung von 620 Top-Managern aus unterschiedlichsten Branchen und Kontinenten, zeigt: Im Zeitalter der permanenten Disruption verabschieden sich Unternehmen von starren Effizienzstrategien hin zu intelligenten, flexiblen Logistiknetzwerken. Die alten Routinen funktionieren einfach nicht mehr, wenn politische Spannungen, neue Handelszölle und regulatorischer Flickenteppich zum Alltag gehören.
Interessant ist, dass viele Unternehmen nicht mehr bloß auf das nächste Unwetter reagieren wollen – sie denken inzwischen in Szenarien, bei denen sich die Lieferkette geradezu selbst neu erfindet, noch bevor die Krise vollends zuschlägt. Echtzeitdaten, Künstliche Intelligenz und Cloud-Lösungen bilden dabei den technologischen Rückgrat, während sich die geografische Ausrichtung zunehmend regionalisiert. Ad hoc Anpassung ist das Gebot der Stunde, gleichzeitig müssen Supplier-Netzwerke resilienter und breiter aufgestellt werden.
Fast 50 Prozent der Befragten schieben aktuell die Regionalisierung voran – mit allen Herausforderungen, wie Kosten, Mangel an Partnern und undurchsichtigen gesetzlichen Vorgaben. Aber die Richtung scheint gesetzt: Wer jetzt investiert, verschafft sich einen langfristigen Vorteil gegenüber eher zögerlichen Wettbewerbern.
Neue Imperative für Zukunftssicherheit
Lange galt Diversifizierung als Feuerwehrmaßnahme für den Ernstfall. Heute wird sie strategisch umgedeutet: Wer nicht in neue Absatzmärkte vordringt – Stichwort: BRICS, ASEAN, EU – und gleichzeitig beispielsweise die Produktion regional aufstellt, riskiert, beim nächsten Konflikt abgehängt zu werden. Der Report zeigt: Gerade die Verlagerungen Richtung Europa und neue Märkte treiben nicht nur Resilienz, sondern schaffen auch neue Chancen für Wachstum und Innovation.
Spannend außerdem: Obwohl fast alle Führungskräfte (90 Prozent) davon überzeugt sind, dass KI bis 2030 die Supply Chains radikal transformieren wird, setzen bisher nur wenige (8 Prozent) auf echt durchgängige Automatisierung und datengetriebene Planung.
Kreislaufwirtschaft – vom Gesetz zum Geschäftsmodell
44 Prozent sehen zirkuläre Ansätze mittlerweile als Wachstumsfeld. Recycling, Rückführungslogistik und Service- statt Produktverkauf: Was früher eine Reaktion auf Vorschriften war, wird nun als Differenzierung genutzt. Man ahnt förmlich, dass hier noch nicht das letzte Wort gesprochen ist.
Unter dem Strich nennt die Studie fünf zentrale Empfehlungen – von intelligenter Investitionsstrategie bis zur gezielten Orchestrierung vernetzter Ökosysteme. Wer Transformation als Daueraufgabe begreift, hat die Nase vorn.
Anmerkung zum Vorgehen
Die Studie entstand im Sommer 2025 und bezieht Führungsstimmen aus Unternehmen verschiedenster Sektoren mit einem Mindestumsatz von 500 Millionen Euro ein. Einen Link zur vollständigen Studie sowie mehr Infos zum Beratungsunternehmen findet man auf der Homepage von BearingPoint. Persönlich bleibt mir die Erkenntnis: Auch wenn Vieles Zukunftsmusik klingt, setzen sich mutige Unternehmen jetzt bereits vom Mittelmaß ab.
Die BearingPoint-Studie signalisiert einen Umschwung: Unternehmen wollen nicht mehr nur auf Krisen reagieren, sondern ihre Lieferketten mithilfe von KI, Daten und Regionalisierung eigenständig und anpassungsfähig gestalten. Regionale Netzwerke und Kreislaufwirtschaft werden zu strategischen Pfeilern – allerdings steckt volle Automatisierung noch in den Kinderschuhen. Neuere Berichte aus den letzten 48 Stunden zeigen, dass auch Energie-, Lebensmittel- und Technikbranche in Deutschland und weltweit aktuell massiv auf digitale Optimierung, Diversifikation der Versorgung und Cyber-Security setzen (siehe Süddeutsche, Spiegel, Zeit, DW und taz). Hinter der technischen Entwicklung stehen auch gesellschaftliche Fragen: Wie schützen sich Unternehmen gegen Ransomware-Attacken und wie fördern sie nachhaltige Lieferstrukturen? Genau diese Faktoren werden zunehmend diskutiert, zum Beispiel angesichts wiederholter Unterbrechungen durch Importkrisen oder geopolitische Unwägbarkeiten. Insgesamt scheint es, als ob gerade das Unperfekte – etwa Tests mit KI-Logistik, die noch fehleranfällig ist – als Motor für künftige Resilienz und Selbstregulierung gesehen wird.