So recht mag Hartmut Mehdorn, immerhin ein Urgestein der deutschen Infrastruktur-Geschichte, dem olympischen Glanz nicht mehr trauen. Warum? Weil er sich fragt, ob Großevents wie Olympia in unsere aktuelle Welt überhaupt noch reinpassen. "Hat die Welt aktuell nicht drängendere Probleme?", gibt er zu bedenken – zugegeben, nicht ganz zu Unrecht, wenn man sich die Nachrichtenlage anschaut. Mehdorn hält wenig davon, immer dieselben Fehler bei Großprojekten zu wiederholen: Kaum sind die ersten fünf Prozent der Zeit geplatzt, merkt man, in welche Richtung der Hase läuft.
Was also tun, um nicht wieder auf die Nase zu fallen? Mehdorn empfiehlt: Öffentliche Informationen ehrlich teilen, Bürger an Bord holen, Puffer einbauen – und das ganz ohne rosarote Brille. Transparenz statt Hochglanzflyer, Fehler zugeben statt beschönigen. Dasselbe gelte für die Expo-Pläne. Die Hannover-Ausstellung 2000 war für ihn rückblickend ein Flop, dessen Nachwirkungen man schwer vergisst. "Wozu braucht man noch eine Expo, wenn heute die ganze Welt im Netz zu erreichen ist?", fragt Mehdorn – und klingt dabei fast wie jemand, der digitale Zukunft nie vorbeiziehen ließ. Berlin droht, die Vergangenheit zu wiederholen.
Vermutlich werden die Berliner das anders sehen. Aber einige seiner Mahnungen schmecken schon ein bisschen nach Erfahrung – und vielleicht auch nach einer gesunden Portion Skepsis.
Hartmut Mehdorn, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn, hält Berlins Vorhaben zur Ausrichtung von Olympischen Spielen und einer Expo für fragwürdig. Er kritisiert einerseits die zeitliche und finanzielle Planung vieler Großprojekte, bei denen zu Beginn oft die Weichen falsch gestellt würden, anderseits betont er die veränderten gesellschaftlichen Bedürfnisse: Großveranstaltungen müssten heute transparenter, bürgernaher und kritischer geplant werden. Außerdem sieht Mehdorn im Zeitalter der Digitalisierung keinen Nutzen mehr in klassischen Weltausstellungen, da Informationen und Produkte ohnehin global online zugänglich sind.
Eine aktuelle Recherche ergibt: Die Berliner Olympia-Initiative stößt auch in anderen Medien auf Kritik, vor allem im Hinblick auf Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Akzeptanz. Global ist ein Trend zu kleineren, nachhaltigeren Veranstaltungen zu beobachten, weil die Kosten und die lokalen Belastungen häufig den Nutzen übersteigen. Zusätzlich hat die gescheiterte Finanzierung und das durchwachsene Nachher-Fazit der Expo 2000 in Hannover viele Verantwortliche in Bezug auf neue Bewerbungen vorsichtiger gemacht.