Nicht zum ersten Mal bringt sich der konservative SPD-Flügel, der Seeheimer Kreis, mit weitreichenden Forderungen in die Rentendebatte ein. Sie schlagen vor, die Mindestbeitragsjahre für einen Anspruch auf Grundrente auf 25 zu senken – bisher sind es nämlich mehr. Besonders auffällig: Sorgearbeit, die in aller Regel nicht oder nur schlecht bezahlt wird, möchten die Seeheimer stärker bei der späteren Rentenberechnung honoriert wissen. Was steckt dahinter? Viele Frauen arbeiten ihr Leben lang, oft unterbrochen durch Kinder, Pflege oder Teilzeit – und stehen im Alter dann seltsam mittellos da. Die Seeheimer wollen die Rentenpunkte für Kinder daher spürbar anheben und plädieren obendrein für einen Rentenzuschlag, wenn jemand drei oder mehr Kinder großgezogen hat. Mit all dem würde nicht nur Rentensystem menschenfreundlicher – der Kreis der Menschen mit Anspruch auf Grundrente würde auch erheblich wachsen.
Eine weitere, nicht ganz neue, aber weiterhin drängende Erkenntnis: Frauen ab 65 sind zu 21,6 Prozent von Armut bedroht – bei Männern trifft das nur auf 17,1 Prozent zu. Das liegt nicht zuletzt an den Biografien: Wer über Jahre oder Jahrzehnte Teilzeit arbeitet oder aus familiären Gründen immer wieder Pausen einlegt, hat am Ende massive Einbußen beim Ruhestand. "Die Teilzeitfalle heute ist die Altersarmut von morgen", schreiben die Seeheimer wenig poetisch, aber treffend. Der sogenannte Gender Pension Gap – also die Lücke zwischen männlichen und weiblichen Renten – beträgt inzwischen mit 46 Prozent fast die Hälfte. Ganz schön alarmierend, ehrlich gesagt. Der Ruf nach Reformen klingt also nicht nach Ideologie, sondern nach einer längst überfälligen Anpassung an die Lebenswirklichkeit.
Der konservative Seeheimer Kreis der SPD-Fraktion fordert deutliche Reformen bei der Grundrente: Die Mindestversicherungszeit soll von derzeit 33 auf 25 Jahre abgesenkt werden, wodurch deutlich mehr Frauen – besonders jene mit Kindererziehungszeiten und Teilzeitkarrieren – Anspruch auf die Grundrente hätten. Zusätzlich fordert der Kreis, Sorgearbeit und Kinder stärker zu berücksichtigen: Rentenpunkte für jedes Kind sollen steigen, ebenso soll ein Bonus ab drei Kindern eingeführt werden. Hintergrund ist die alarmierende Tatsache, dass Frauen in Deutschland überproportional von Altersarmut betroffen sind – fast ein Viertel aller Frauen im Rentenalter lebt mit Armutsrisiko, eine direkte Folge unterbrochener Erwerbsbiografien und geringerer Lohnarbeit. Laut jüngsten Berichten wird allerdings befürchtet, dass solche Reformen das Rentensystem finanziell und organisatorisch belasten könnten, weshalb die Debatte kontrovers geführt wird. Inzwischen wird staatlich wie gesellschaftlich zunehmend erkannt, wie stark geschlechtsspezifische Unterschiede in Arbeit, Pflege und Familie die spätere Rente prägen. Kritiker fordern weitere Lösungen, etwa einen höheren Mindestlohn, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, oder komplett neue Modelle für die Anerkennung von Care-Tätigkeiten.