Mit Mut und Mentoring auf neuen Wegen: 330 Studienkompass-Absolvierende setzen ein Zeichen

Berlin – Wie bahnt man sich einen erfolgreichen Start nach dem Schulabschluss, wenn familiäre Kontakte und akademisches Vorwissen fehlen? Absolvent:innen des Studienkompass-Programms teilen ihre Erfahrungen: Drei Jahre lang wurden sie individuell begleitet, geschult und durch digitale Formate sowie persönliches Mentoring unterstützt – samt eigener App. Das Ziel: den eigenen Weg selbstbewusst gestalten und Chancen erkennen, auch ohne familiären Rückhalt im Studium. Gerade Jugendliche ohne akademisch geprägtes Elternhaus sind an Hochschulen stark unterrepräsentiert. Viele hadern deshalb auch länger mit der Frage, ob sie sich das Studieren zutrauen und wie sie es finanzieren sollen.

heute 09:22 Uhr | 4 mal gelesen

Wer in diesem Jahr sein Studienkompass-Diplom in der Hand hält, weiß: Die eigene Herkunft ist kein Schicksal. Knapp ein Jahr nach dem Abi sind die meisten Absolvierenden schon mittendrin – egal, ob im Studium, in der Ausbildung oder nach einer selbstgewählten Auszeit auf dem Sprung ins nächste Bildungsabenteuer. Am Wochenende vor Kurzem reisten sie für einen lebhaften Abschlussevent nach Frankfurt am Main – ein bunter Abschluss, Schulterklopfen inklusive, auch dank ihrer ehrenamtlichen Mentor:innen und der Förderpartner. Besonders bemerkenswert: Kaum jemand bricht ab. Mit 3,9 Prozent (Studium) und 1,1 Prozent (Ausbildung) liegen die Abbruchquoten der Kompass-Alumni weit unter den deutschlandweiten Durchschnittswerten von 27 bzw. 13 Prozent. Der Studienkompass schreibt also schon fast Tradition – im nächsten Jahr steht das 20. Jubiläum an, dann blicken über 5.000 Teilnehmende auf ihre Zeit zurück. Das hört sich nach Statistik an, aber dahinter stecken echte Geschichten, Zweifel, Aufbrüche – und jede Menge gewonnene Perspektiven.

Der Studienkompass zeigt seit Jahren, dass es nicht zwangsläufig ist, von der eigenen Herkunft in Bildungsfragen begrenzt zu werden. Fast alle der 330 diesjährigen Absolvent:innen sind ein Jahr nach dem Abi bereits im Studium, einer Ausbildung oder nehmen sich gezielt ein Brückenjahr – bemerkenswert, da sie alle aus Familien ohne akademischen Hintergrund kommen. Die außergewöhnlich niedrigen Abbruchzahlen belegen den Erfolg des Programms und werfen ein Licht darauf, wie entscheidend gezielte Förderung, Unterstützung durch Mentoring und eine vielfältige Community sein können. Aktuelle Recherchen ergeben: Die Bildungsungleichheit bleibt trotz vereinzelt positiver Entwicklungen bestehen, wie zahlreiche Medien berichten. Die SZ hebt hervor, dass Aufstieg durch Bildung nach wie vor erschwert ist und gezielte Programme wie der Studienkompass sowie staatliche Initiativen dringend notwendig bleiben, um Chancengleichheit zu fördern. Auf taz.de finden sich Stimmen, die fordern, Bildungsförderung müsse viel stärker auch strukturelle Benachteiligungen wie Armut, Diskriminierung und geringes Netzwerk adressieren, nicht nur durch Einzelprogramme, sondern gesellschaftlich breiter. Im Spiegel betont ein Bericht die Notwendigkeit eines mentalen Kulturschubs: Ohne Mut und Enttabuisierung von „Nichtakademiker-Kindern“ auf dem Campus blieben viele Talente am Rand. Kritische Stimmen mahnen aber auch, dass Förderprogramme allein nicht reichen – der Zugang zu Bildung hänge nach wie vor stark von regionalen, ökonomischen und persönlichen Voraussetzungen ab.

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