Ökonomin warnt: Inflationsrate könnte auf bis zu fünf Prozent steigen

Laut Isabella Weber, Wirtschaftsexpertin an der University of Massachusetts Amherst, droht Deutschland angesichts der Zuspitzung im Iran bedeutende wirtschaftliche Belastungen. "Ein Anstieg der Inflation auf vier bis fünf Prozent ist realistisch – und könnte das Leben spürbar verteuern", so Weber im Gespräch mit dem "Spiegel".

heute 12:00 Uhr | 2 mal gelesen

Isabella Weber malt ein ernüchterndes Bild. Nicht nur die Plastikpreise, sondern auch andere entscheidende Grundstoffe schnellen nach oben. Sie spricht von einer regelrechten Welle, die wie ein Dominoeffekt durch verschiedene Industriebranchen rollen wird. Besonders besorgniserregend: Die Preissteigerungen entwickeln sich in einem Tempo, das später kaum wieder einzufangen ist. Ob die Lage eskaliert oder halbwegs abgemildert wird, hinge stark davon ab, wie beherzt und zügig die Politik reagiere. Weber plädiert explizit für sofortige Eingriffe – etwa einen clever konstruierten Preisdeckel für Benzin. Wird gezögert, frisst sich der Preisschock laut ihr weiter und tiefer in sämtliche Wirtschaftsbereiche. "Viele erinnern sich gar nicht mehr an die 1970er, als plötzlich Erdöl knapp wurde – diese Erfahrung droht nun wieder relevant zu werden", wirft sie ein. Angesichts der aktuellen Energiesituation sieht Weber es als höchste Zeit, außergewöhnliche Maßnahmen zu ergreifen. Die neue Regel für Mineralölkonzerne, Preisänderungen erklären zu müssen, sei ein Schritt nach vorn. Aber Weber mahnt: Kartelluntersuchungen ziehen sich oft ewig hin. Die eigentliche Unsicherheit könne nur ein Preisdeckel in der Krise wirksam dämpfen. Noch ein Punkt: Unternehmen, die durch die Krise unerwartet hohe Gewinne erzielen, sollten diese laut Weber unmittelbar per Übergewinnsteuer abgeben müssen. "Krisenzeiten dürfen keine Freifahrkarte für Rekordprofite sein – vor allem nicht bei Firmen, die als Teil der kritischen Versorgung gelten."

Isabella Weber betont, wie schnell externe Krisen – wie jetzt im Iran – auf die Inflationsentwicklung in Deutschland durchschlagen können. Ihr Fokus liegt nicht nur auf kurzfristigem Preisanstieg, sondern auch darauf, wie sich politische Entscheidungen wie Preisdeckel oder neue Steuern gezielt hemmend auf Preisspiralen auswirken könnten. Neben der Diskussion über die Rolle von Konzernprofiten und möglicher Steuern auf Gewinne sieht sie langfristig die soziale Belastung und politische Stabilität als kritisch – Themen, die auch in aktuellen Diskussionen anderer Experten hervorstechen. Weitere aktuelle Nachrichtenmeldungen thematisieren, dass die Energiepreise erneut in Bewegung geraten, insbesondere nach Angriffen auf Ölinfrastruktur in Nahost. Manche politische Kommentatoren warnen aktuell vor Zögerlichkeit der Bundesregierung und mahnen rasch umsetzbare Instrumente wie befristete Preisbremsen an, während andere eine engere europäische Koordinierung anmahnen (vgl. Berichte auf taz.de und spiegel.de). Zuletzt wird viel über das Spannungsfeld debattiert: Wirtschaftsinteressen versus soziale Gerechtigkeit beim Umgang mit Krisengewinnen.

Schlagwort aus diesem Artikel