Öl teurer nach Kriegsende? Ein Blick auf mögliche Folgen

Elliot Hentov spricht Klartext: Wer glaubt, nach dem aktuellen Krieg könnte alles wieder so günstig werden wie zuvor, irrt wahrscheinlich. Gerade für energiehungrige Länder wie Deutschland stehen Veränderungen ins Haus.

heute 10:59 Uhr | 2 mal gelesen

„Die Unsicherheit rund ums Öl bleibt erstmal bestehen, auch wenn der aktuelle Konflikt tatsächlich abebbt“, meint Elliot Hentov, seines Zeichens geopolitischer Stratege beim Finanzunternehmen State Street, im Gespräch mit dem Handelsblatt. "Sogar nach einer Beruhigung könnte der Preis für Öl dauerhaft um etwa 20 Prozent ansteigen – und sich irgendwo zwischen 70 und 75 Dollar pro Barrel einpendeln." Das sei laut Hentov kein klassischer Öl-Schock – aber spurlos gehe das an stark importorientierten Volkswirtschaften wie Deutschland nicht vorbei. Einmal hochgeschnellte Preise zieht man nicht automatisch wieder auf das alte Level zurück, selbst wenn sich die Versorgung rund läuft. Anfang der Woche war Brent-Öl zeitweise auf 120 Dollar gegangen, ehe Worte von US-Präsident Trump eine gewisse Entspannung signalisierten – angeblich stehe der Frieden vor der Tür. Hentov zeigt sich verhalten optimistisch: Der Krieg finde mutmaßlich in „Wochen, nicht Monaten“ ein Ende, solange die USA darauf verzichten, massive Bodentruppen einzusetzen. Steigen die Ölpreise bleibend, kann das übrigens den Markt für Staatsanleihen beflügeln – Renditen steigen, dafür werden Aktienanlagen ein Stück weit unattraktiver. So einfach ist die Gleichung halt auch nicht.

Hentov betont, dass die Volatilität der Ölpreise auch nach einem möglichen Kriegsende eine entscheidende Rolle für die Weltwirtschaft spielen wird, insbesondere für Länder wie Deutschland, die zu einem großen Teil auf Energieimporte angewiesen sind. Steigende Ölpreise könnten indirekt weitere Wirtschaftszweige treffen, etwa durch wachsende Transportkosten oder teurere Produktion – das bleibt oft eine Zeit lang unterschätzt. Interessanterweise gibt es Branchenexperten, die die jüngste Preisentwicklung auf eine überzogene Reaktion der Märkte zurückführen und erwarten, dass sich ein Teil der Preisprämie nach einer Beruhigung der geopolitischen Lage wieder reduzieren wird. Aktuelle Recherche vergrößert dieses Bild: Zurzeit wird weltweit beobachtet, dass die OPEC und ihre Partner Spannungen am Ölmarkt mit Förderkürzungen zu begegnen versuchen, um die Preise zu stabilisieren. Zugleich wächst der Druck auf Industrieländer, Energiewende und Diversifizierung zu beschleunigen – die Unsicherheit über zukünftige Marktpreise fließt mehr und mehr in Finanzierungsentscheidungen, auch für den Ausbau alternativer Energien. Europäische Regierungsvertreter signalisierten zuletzt teils uneinheitlich, wie sie auf einen dauerhaft teureren Ölimport reagieren wollen: Die Palette reicht von weiteren Subventionen bis zu verschärften Energiespar-Kampagnen.

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