Teilzeit bleibt Ausweichlösung statt Wunschmodell
In Deutschland gibt etwa ein Viertel der Befragten an, in Teilzeit zu arbeiten. Doch gefragt nach ihren Wunschvorstellungen für die Zukunft, möchten letztlich nur 16 % dauerhaft in Teilzeit arbeiten. Interessant ist dabei: Sowohl bei Männern als auch bei Frauen, quer durch die Generationen, ist Teilzeit meist ein Kompromiss, weniger ein Idealzustand. Auch bei der sogenannten Generation Z sind es lediglich 13 %, die langfristig in Teilzeit arbeiten wollen – deutlich weniger als die aktuell 20 %, die in diesem Modell unterwegs sind.
Wenig überraschend verlagert sich der Wunsch modern Arbeitender vielmehr hin zu selbstständigen Tätigkeiten oder klassischen Vollzeitjobs mit Zusatzjobs. Heute wagen zwar nur 5 % den Schritt in die Selbstständigkeit, doppelt so viele können es sich für die Zukunft aber durchaus vorstellen. Bei den sogenannten "Vollzeit plus Nebenjob"-Modellen klafft die Lücke noch mehr: Lediglich 3 % leben das aktuell, 12 % hätten daran jedoch Interesse.
Die Ergebnisse stehen im klaren Widerspruch zu politischen Debatten und Vorurteilen. "Was wir derzeit sehen, ist nicht, dass Deutschland plötzlich das Land der Freizeitliebhaber wird. Im Gegenteil, viele Menschen wünschen sich sogar mehr Arbeit und Bereitschaft zur Leistung – nur wird das in öffentlichen Diskussionen oft übersehen", ordnet Verena Menne von Randstad Deutschland ein.
Reale Leistungsbereitschaft der Arbeitnehmenden
Für fast die Hälfte der Arbeitnehmer – genau 49 % – ist es essentiell, am Arbeitsplatz etwas bewegen zu können. Gleichzeitig bleibt Innovation hoch im Kurs: 45 % nennen das als wichtigen Aspekt ihrer Arbeit, 43 % legen Wert auf Weiterentwicklung und beruflichen Aufstieg.
Warum das außer den Statistiken kaum einer thematisiert? Vielleicht, weil sich das altbekannte Bild hält, nur die Work-Life-Balance zähle. "Dabei gibt es heute ein oft unterschätztes Potenzial für Arbeitgeber", ergänzt Menne. "Viele Beschäftigte wollen sich weiter einbringen, Verantwortung übernehmen – vorausgesetzt, sie bekommen echten Gestaltungsfreiraum."
Lebensbalance längst für viele Realität
Eine weitere aktuelle Erkenntnis: Deutschlands Beschäftigte sehen ihre Work-Life-Balance bereits überwiegend positiv. 74 % sagen, dass sie mit Arbeitszeit und Freizeit im Gleichgewicht leben – sogar mehr, als dieses Kriterium überhaupt aktiv als Karrierepriorität nennen (63 %).
Unternehmen haben offenbar in puncto Flexibilität dazugelernt. Verzicht auf Freizeit oder ewiges Jonglieren ist für die meisten gar nicht nötig. Politisch ist allerdings noch Luft nach oben: Bleibt die Bereitschaft zur vollen Arbeitszeit und zum Engagement für die, die das möchten, ein dauerhaft realisierbares Ziel? „Hier ist klar der Staat gefordert“, resümiert Menne, „um attraktive Rahmenbedingungen zu schaffen, damit sich mehr Arbeit auch lohnt.“
Kurzer Blick aufs Randstad Arbeitsbarometer
Seit 2003 erscheint die Studie jährlich und liefert Einblicke in Arbeitsmarkt-Trends weltweit, diesmal mit über 27.000 Befragten aus 35 Ländern, davon rund 1000 Teilnehmende aus Deutschland und erstmals eine nennenswerte Zahl von Unternehmen. Neben den großen Umfragen sorgen zusätzliche Kurzbefragungen im Jahresverlauf für aktuelle Einblicke.
Und wer ist Randstad überhaupt?
Randstad zählt zu den größten Personaldienstleistern weltweit: Mit knapp 28.200 Mitarbeitenden (davon 1.800 intern beschäftigt) und fast 400 Standorten deutschlandweit. Berufschancen für Menschen jedes Hintergrunds, flexible Modelle für Firmenkunden und ein feines Gespür für Trends am Arbeitsmarkt – das verspricht das Unternehmen. 2025 standen beinahe 1,5 Milliarden Euro Umsatz für Randstad Deutschland zu Buche, während im Weltmaßstab mit mehr als 1,7 Millionen vermittelten Kandidat:innen ein Umsatz von über 23 Milliarden Euro erzielt wurde.
Pressekontakt für Fragen: Randstad Deutschland Pressestelle, Frankfurter Straße 100, 65760 Eschborn, Tel. 01525 / 450-9349, E-Mail: presse@randstad.de und www.randstad.de.
Originalquelle: Randstad Deutschland GmbH & Co. KG via news aktuell
Die aktuelle Debatte um Teilzeitarbeit in Deutschland übersieht häufig, dass diese Arbeitsform oft nicht freiwillig gewählt wird, sondern eher eine Notwendigkeit darstellt. Während ca. ein Viertel aktuell in Teilzeit arbeitet, wollen dies laut Randstad-Studie in Zukunft deutlich weniger – viele sehnen sich nach Ausweitung der Arbeitszeit oder neuen Arbeitsmodellen. Arbeitnehmende zeigen zuletzt mehr Leistungs- und Innovationsbereitschaft als ihnen oft zugeschrieben wird, und der gesellschaftliche Fokus sollte sich aus differenzierter Perspektive auf die tatsächlichen Rahmenbedingungen richten – inklusive politischer Verantwortung für faire und flexible Arbeitswelten.
Inzwischen berichten viele Medien über eine spürbare Veränderung in den Wünschen der Beschäftigten: Die "SZ" stellt fest, dass die Arbeitszeitwünsche und tatsächliche Arbeitszeiten weiter auseinanderdriften, insbesondere bei jüngeren Generationen, und fordert ein Umdenken in der Flexibilisierung und politischen Begleitung des Arbeitsmarkts. Laut "Spiegel" rückt zudem die Frage nach besserer Vereinbarkeit von Familie und Karriere für Männer wie Frauen gleichermaßen in den Fokus, was die klassische Debatte um Teilzeit als Lifestyle zunehmend als Vorurteil entlarvt. Neuere Untersuchungen, etwa von "Zeit Online", zeigen, dass Unternehmen, die mehr Flexibilität und Home-Office ermöglichen, deutlich zufriedeneres und leistungsbereiteres Personal haben, während starre Arbeitsmodelle an Attraktivität verlieren.