Laut einer Untersuchung, durchgeführt von der Bertelsmann-Stiftung gemeinsam mit den Universitäten Düsseldorf, Princeton und Davis, hat Infrastrukturförderung durchaus ein politisches Gewicht: Wird etwa 100 Euro mehr pro Kopf in die Infrastruktur investiert, schwindet der Stimmenanteil der AfD in bestimmten Regionen um ungefähr einen Prozentpunkt. Aber: Dieser Zusammenhang taucht vor allem dort auf, wo viele Menschen in Branchen arbeiten, die besonders viele CO2-Emissionen verursachen – zum Beispiel im Bereich Metall, Chemie oder bei der Produktion klassischer Motoren. Jens Südekum, Düsseldorfer Ökonom und einer der Verfasser, brachte es gegenüber dem Spiegel ziemlich griffig auf den Punkt: Die Leute vor Ort müssen spüren, dass nach einem Strukturwandel wirklich etwas Neues entsteht – nicht bloß leere Versprechen. Seine Ansicht: Regionale Wirtschaftsförderung darf nicht nur auf ohnehin schon schwache Regionen abzielen, sondern muss auch dort ansetzen, wo die Angst vor dem sozialen Abstieg (noch) nicht Realität geworden ist. Südekum fasst zusammen: Wirtschaftliche Stärkung sei nach gegenwärtigem Stand das schlagkräftigste Argument gegen den Zulauf zur AfD. – Vielleicht ein wenig kontraintuitiv, da viele Debatten um Populismus und Rechtstrend ja oft auf 'gefühlte Unsicherheit' oder 'kulturelle Faktoren' schieben. Hier aber rückt die konkrete, materielle Perspektive wieder ins Zentrum, was durchaus diskussionswürdig erscheint.
Die besagte Studie hat den Zusammenhang zwischen lokaler Wirtschaftsförderung und Wahlerfolgen der AfD systematisch untersucht. Interessant ist, dass vor allem Regionen mit hohem Anteil an CO2-intensiven Industrien von den Investitionen profitieren, was zeigt: Gerade dort, wo die Transformation zu einer klimafreundlichen Wirtschaft Ängste schürt, kann aktive Förderung offenbar Vertrauen in Demokratie und Wandel schaffen. Andere aktuelle Analysen unterstreichen, dass politische Entfremdung und ökonomische Unsicherheiten Hand in Hand gehen – und dass entschlossene, sichtbare Investitionen vor Ort die politischen Extreme durchaus schwächen können.