Der Papst inmitten globaler Irrungen und Wirrungen – das klingt erstmal nach einer überlebensgroßen Rolle, aber manchmal fühlt sich alles kleiner an als die Schlagzeilen vermuten lassen. Iran, Ukraine, Nahost: Leo XIV. tut, was von einem Pontifex erwartet wird. Unermüdlich ruft er zu Waffenstillstand und Dialog auf, versucht, als Mediator ernst genommen zu werden. Auch bei Klimafragen bleibt er seiner Linie treu und führt die ökologische Agenda seines Vorläufers fort. KI? Da schwingt Sichtbares Unbehagen mit, vor allem, was mögliche Bedrohungen für Gerechtigkeit und Arbeitsplätze angeht.
Mit den globalen Tycoons legt der Papst sich öffentlich an, kritisiert deren maßlosen Reichtum (Musk, Bezos und wie sie alle heißen), und stößt nicht nur einmal auf lautstarken Widerstand, vor allem aus Amerika. Gerade in den USA wird Leo XIV.s Haltung zur Migration zur Reibungsfläche mit konservativen Kräften, namentlich dem MAGA-Lager um Donald Trump.
Und dennoch – irgendwie nimmt die säkulare Öffentlichkeit ihn zunehmend als moralischen Orientierungspunkt wahr, selbst wenn sie mit der Institution Kirche längst nichts mehr am Hut hat. Gleichzeitig rollen aber die Kirchenstrukturen wie ein schwerfälliges Getriebe: Frauenweihe? Segensfeiern für queere Paare? Liegen vorerst auf Eis, zu groß die Furcht vor Zerreißproben.
Was bleibt am Ende: Sind seine sonntäglichen Mahnungen mehr Schein als Sein? Oder zügelt er schlicht das Tempo, um außenpolitisch anschlussfähig zu bleiben? Nebenbei entdecken seltsam viele Akteure vom rechten Rand die katholische Kirche als rückwärtsgewandtes Symbol. Leute wie Steve Bannon und J.D. Vance kokettieren mit Tradition, üben aber gleichzeitg heftig Kritik an Leo. Wieso zieht die Kirche diese Kreise an, wieso wird Leo zur Projektionsfläche?
Zu Wort kommen im Film: Kabarettistin Carolin Kebekus, die über ihren Austritt aus der Kirche reflektiert, sich aber weiterhin als gläubig bezeichnet. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx, angeblich ein Machtspieler beim letzten Konklave, gibt seltene Einblicke. Klimaaktivistin Luisa Neubauer analysiert die Wirkung der Päpste auf den Klimadiskurs. Dazu prominente Politiker von links bis konservativ, Bodo Ramelow und Manfred Weber, erzählen von Meetings mit Leo und den Einfluss der Religion. Kirchenhistoriker Massimo Faggioli ordnet ein, wie zerstritten und gefährdet die (vor allem US-)Kirche ist, zwischen Silicon-Valley-Eliten und radikalen Kräften.
(Die Sendung ist über www.br-foto.de und weitere Kanäle zugänglich. Für weitere Infos: BR-Pressestelle, Kontakt: wibke.heise@br.de, Tel. +49 (0)89 5900-10554, www.br.de/presse)
Papst Leo XIV. steckt fest im Spagat zwischen moralischem Kompass und Institution – und wird niemandem so recht gerecht. Im ersten Jahr hat er zwar klare ethische und soziale Impulse gesetzt, etwa bei Gerechtigkeit, Frieden oder Umweltfragen, musste aber viele Erwartungen an Reformen enttäuschen. Neueste Berichte und Kommentare aus dem vergangenen Monat zeigen, dass er weiterhin polarisiert und sowohl Hoffnungsträger als auch Angriffsfläche bleibt: Die Süddeutsche schreibt, Leo XIV. habe mit seiner entschlossenen Kritik an Reichtum und Klima-Kurs eine neue Generation außenkirchlich Engagierter inspiriert, während die FAZ betont, wie wenig seine Integrationsversuche die inneren Machtkämpfe in der Kirche abschwächen. Die Zeit wiederum sieht in seiner zurückhaltenden Reformdynamik und dem fehlenden Engagement für Frauen oder queere Menschen eine Ursache für anhaltenden Frust und Kirchenaustritte. Im internationalen Kontext, etwa im Ukrainekrieg oder in Nahost, erweist er sich als wortgewaltiger Mahner, doch tatsächlich politische Durchbrüche bleiben aus.