Lukas Rietzschels ‚Sanditz‘ führt die SWR Bestenliste im Mai 2026 an

Ein vielschichtiger Roman aus dem Osten Deutschlands, komplex erzählt und nun auf Platz 1 der renommierten SWR Bestenliste – das ist ‚Sanditz‘ von Lukas Rietzschel. Dazu: Neun weitere Buchempfehlungen der Fachjury für den Mai.

heute 09:04 Uhr | 3 mal gelesen

Im Mai 2026 steht ‚Sanditz‘ von Lukas Rietzschel ganz oben auf der SWR Bestenliste. Dieser Roman schickt uns nach Sanditz, eine nicht benannte, aber frappierend typische Kleinstadt am 'Rande der Republik' – das könnte vieles meinen: Peripherie, kultureller Rand oder einfach ein Ort, an dem Geschichte beinahe vorbeigelangt wäre. Rietzschel folgt einem bunten Ensemble: Ehemalige Offiziere treffen auf Bürgerrechtlerinnen, Orgelbauer verschränken sich mit Journalisten und Träumern, Kinder, Liebende, spätberufene Archivare oder auch einfach Alltägler, die in der lokalen Geschichte herumstochern. Die Entwicklung der Familie Wenzel – und wie sie sich mit der Stadt verknüpft – macht daraus das Bild eines gesamten Landes, einer Epoche vielleicht. Ostdeutsche Wirklichkeit und bundesdeutsche Erwartungen scheuern hier aneinander; Stationen reichen von den 80ern bis zur Zeit der Pandemie. Das Beste: Die SWR Bestenliste ignoriert strikt Bestseller-Charts. Nicht Verkaufsrekorde, sondern – mal mehr, mal weniger eigenwillige – Entscheidungen einer unabhängigen Runde von 30 Literaturkritikerinnen und Kritikern sortieren monatlich zehn empfehlenswerte neue Bücher. Im Mai geben die Juroren der Liebe Raum: Thomas Hettches 'Liebe' landet auf Rang 2, George Sands Klassiker 'Nanon' belegt Platz 3. Wessen Ohr nicht genug bekommt, kann sonntags (nächster Sendetermin am 3. Mai, SWR Kultur, 17:04 Uhr) den Literaturtalk der Jury auch als Podcast nachhören – oder sich die Favoritenliste auf swr.de sichern. Für Leselustige, die es ganz genau wissen wollen: Rietzschels Roman ist bei dtv erschienen und umfasst 480 Seiten. Auch andere Genres und Stimmen finden sich in der ausführlichen Bestenliste, die im Netz abrufbar ist. Ach ja: Wer immer noch Pressefotos sucht, wird ebenso online fündig.

‚Sanditz‘ von Lukas Rietzschel spiegelt das ostdeutsche Lebensgefühl auf eindrucksvolle Weise, indem es kleine und große Geschichten einer erfundenen, dennoch sehr real wirkenden Kleinstadt vom Ende der DDR bis in die Pandemie neu aufrollt. Sprachlich und erzählerisch grenzt sich der Roman deutlich von stereotypen Ost-West-Bildern ab; er findet neue Töne und bietet weit mehr als nostalgische Rückschau – er wirft auch einen diskreten Blick auf gegenwärtige Brüche und das, was uns in Deutschland vereint und trennt. In den letzten Tagen berichteten verschiedene Medien ausführlich über das Buch und die Debatte um die Repräsentation ostdeutscher Erfahrungen, wobei insbesondere die Vielstimmigkeit des Romans und sein gesellschaftspolitischer Anspruch gelobt werden. Die aktuelle Literaturberichterstattung hebt hervor, dass das Buch nicht nur literarisch wertvoll ist, sondern auch gesellschaftlich relevant – gerade im Kontext zu Fragen über Identität, Heimat und Vergangenheitsbewältigung im heutigen Deutschland. Bei SWR, Zeit und FAZ finden sich lange Essays und Analysen, die sowohl das Werk selbst als auch den literarischen Kanon im Wandel betrachten. Damit bleibt 'Sanditz' einer der meistdiskutierten Romane diesen Mai.

Schlagwort aus diesem Artikel